Erzbischof in Auszeit: Generalvikar will zügige Klärung

13.08.2021 Vor fünf Monaten bietet Hamburgs Erzbischof Heße dem Papst seinen Amtsverzicht an. Der Ex-Personalchef im Erzbistum Köln zog damit die Konsequenz aus einem dortigen Missbrauchsgutachten. Der Generalvikar in Hamburg fordert nun eine zügige Klärung, wie es weitergehen soll.

Stefan Heße, Erzbischof von Hamburg. Foto: Markus Scholz/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Fünf Monate nach dem angebotenen Amtsverzicht des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße drängt der kommissarische Leiter des Erzbistums auf eine zügige Klärung der Situation. Generalvikar Ansgar Thim kündigte an, zu keinen Gremien-Konferenzen mehr einzuladen, die sonst der Erzbischof direkt einberufen habe. Das seien der Diözesanpastoralrat, der Priesterrat, die Dienstkonferenz der Pfarrer und der Erzbischöfliche Rat. «Ich scheue mich nicht vor Verantwortung, aber ich möchte ein Signal nach innen und nach außen senden, dass es so nicht weitergehen kann», schrieb Thim nach Angaben vom Freitag an die Gremien-Mitglieder. Bislang habe es keinerlei Reaktionen aus dem Vatikan gegeben, wie es weitergehen solle.

Als Konsequenz aus dem Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsvorwürfen im Erzbistum Köln hatte Heße dem Papst Ende März seinen Amtsverzicht angeboten. Der Papst gewährte ihm daraufhin eine Auszeit. Ein Sprecher des Erzbistums Hamburg sagte damals, er verstehe die Mitteilung so, dass noch keine Entscheidung gefallen sei.

«Es ist für so lange Zeit unmöglich, ein Bistum entsprechend zu führen und gerade in diesen herausfordernden Zeiten weiterzuentwickeln», schrieb Thim weiter. Die jetzige Situation sei zu einer «andauernden belastenden Geduldsprobe» geworden. Derzeit hat die Bistumsleitung Thim zufolge keinerlei Informationen, wann mit einer Entscheidung aus Rom zu rechnen ist. Er bat die Mitglieder, weiterhin zur Verfügung zu stehen. «Kommt es zur Wahl eines Administrators, sind diese Gremien automatisch aufgelöst», schrieb er ihnen. «Sollte der Amtsverzicht nicht angenommen werden, wird Sie unser Erzbischof persönlich wieder einladen.»

Im März war in Köln ein seit langem erwartetes Gutachten vorgestellt worden. Darin wurde untersucht, wie Bistumsverantwortliche in der Vergangenheit mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester umgingen. Heße, früher Personalchef und Generalvikar im Erzbistum Köln, wurden insgesamt elf Pflichtverletzungen vorgeworfen. Dabei handelte es sich nach Angaben der Gutachter unter anderem um Verstöße gegen die Melde- und Aufklärungspflicht.

Noch am selben Tag bot Heße dem Papst seinen Amtsverzicht an, «um Schaden vom Amt des Erzbischofs sowie vom Erzbistum Hamburg abzuwenden». Er betonte, er habe sich niemals an der Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen beteiligt. Er sei aber dennoch bereit, seinen Anteil für das Versagen des Systems zu tragen. Heße war 2015 als Erzbischof nach Hamburg gewechselt.

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