Hapag-Lloyd: Verwerfungen im Container-Seeverkehr bis 2022

12.08.2021 Des einen Leid, des anderen Freud: Verzögerungen im globalen Containertransport tragen zu Engpässen bei der Materialversorgung der Wirtschaft bei - und treiben die Transportkosten in die Höhe. Bei den Reedereien lässt die Situation indes die Kassen klingeln.

Ein Segelboot ist auf der Elbe bei Blankenese vor einem riesigen Containerschiff der Reederei Hapag-Lloyd zu sehen. Foto: Marcus Brandt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Verwerfungen im globalen Container-Schiffsverkehr dürften nach Einschätzung von Hapag-Lloyd noch bis weit ins nächste Jahr reichen. Trotz aller Anstrengungen und zusätzlicher Containerkapazitäten werde sich die Situation nicht schnell normalisieren, sagte der Chef der Containerreederei, Rolf Habben Jansen, am Donnerstag laut Mitteilung. «Wir gehen derzeit davon aus, dass sich die Marktlage frühestens im ersten Quartal 2022 entspannen wird.»

Die nach der Corona-Rezession anspringende Konjunktur in vielen Weltregionen schlägt sich im globalen Warenhandel nieder - mit einer entsprechend wachsenden Nachfrage nach Gütertransporten auf See. Hartnäckige Störungen in den Lieferketten tragen allerdings dazu bei, dass Transportkapazitäten knapp sind. Es kommt zu Verzögerungen, Container sind oft nicht dort verfügbar, wo sie gebraucht werden.

All dies lässt die Preise für Containertransporte - im Branchenjargon Frachtraten - kräftig steigen, nach Hapag-Lloyd-Angaben im ersten Halbjahr durchschnittlich um 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1612 US-Dollar je Standardcontainer (TEU). Hapag-Lloyd zählt mit mehr als 240 Schiffen zu den weltweit wichtigsten Containerreedereien. Um Kapazitäten zu erhöhen, hatte Hapag-Lloyd bereits in diesem Jahr rund 150 000 TEU Standardcontainer bestellt. Außerdem baut die Reederei in den nächsten Jahren ihre Flotte um zwölf Riesenschiffe mit einer Kapazität von jeweils mehr als 23 500 Standardcontainern aus, die ab Ende 2023 ausgeliefert werden sollen.

Die aktuelle Situation beschert der Hamburger Reederei stark gestiegene Gewinne, die voraussichtlich auch in der zweiten Jahreshälfte weiter sprudeln werden. «In einem Markt mit einer starken Nachfrage nach Containertransporten, haben wir von deutlich besseren Frachtraten profitiert und blicken auf ein sehr gutes erstes Halbjahr zurück», sagte der Hapag-Lloyd-Chef. «Wir freuen uns natürlich über dieses besondere finanzielle Ergebnis. Allerdings verursachen die Engpässe in den Lieferketten weiterhin enorme Belastungen und Ineffizienzen für alle Marktteilnehmer, und wir müssen alles tun, um sie so schnell wie möglich gemeinsam zu beheben.»

Weil die Nachfrage «im derzeit überlasteten Marktumfeld» hoch bleibe, rechnet die Reederei «auch für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres mit weiterhin starken Erträgen». Für 2021 insgesamt erwarten die Hamburger ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) zwischen 7,5 und 9,5 Milliarden Dollar, nach 1,5 Milliarden im Jahr zuvor.

Im ersten Halbjahr 2021 sprang das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) - wie bereits Ende Juli auf Basis vorläufiger Schätzungen bekanntgegeben - auf 3,5 Milliarden US-Dollar (rund 2,9 Mrd Euro), nach rund 0,6 Milliarden US-Dollar ein Jahr zuvor. Unter dem Strich stand im Zeitraum Januar bis Juni ein Überschuss von knapp 3,3 Milliarden Dollar, mehr als zehnmal so viel wie ein Jahr zuvor (314 Millionen Dollar).

Wie bei Hapag-Lloyd sprudeln auch bei anderen Branchengrößen die Gewinne. Beispielsweise hatte der dänische Weltmarktführer Maersk, zu dem auch die Reedereimarke Hamburg Süd gehört, vor knapp einer Woche ein 44-prozentiges Umsatzplus auf 26,7 Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr 2021 bekanntgeben - bei einer Verzehnfachung des Gewinns auf fast 6,5 Milliarden Dollar.

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