S-Bahn-Kunden brauchen wegen Lokführerstreik viel Geduld

10.08.2021 Wer auf die Bahn angewiesen ist, braucht am Mittwoch und Donnerstag viel Geduld. Wegen eines Streiks der Lokführer hat die Deutsche Bahn 75 Prozent der Fernverkehrszüge gestrichen - und auch bei der S-Bahn Hamburg wird es zu erheblichen Einschränkungen kommen.

Der Schriftzug mit Logo steht an der Zentrale der Deutschen Bahn in Berlin. Foto: Fabian Sommer/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Fahrgäste der Hamburger S-Bahn müssen sich wegen des geplanten Streiks der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) auf erhebliche Behinderungen einstellen. Es ist davon auszugehen, dass am Mittwoch und Donnerstag viele Bahnen ausfallen. «Wir werden alles dafür tun, um die Einschränkungen für unsere Fahrgäste so gering wie möglich zu halten», sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn (DB) am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Ziel sei es, ein Ersatzangebot bereitzustellen. «Auf allen Strecken des S-Bahn-Netzes wollen wir jeweils mit den Linien S1, S21 und S3 einen 20-Minuten-Takt anbieten», sagte der Sprecher. Die Linien S31 und die Verstärkerlinien S2 und S11 müssten jedoch ausfallen. Da der Streik bis Freitag, 2.00 Uhr, geplant sei, rechnet die Bahn erst gegen Mittag mit einer Normalisierung des S-Bahnverkehrs, «weil zum Beispiel Rangierfahrten in der Nacht zum Freitag nicht stattfinden können». Vor der Corona-Pandemie zählte die S-Bahn Hamburg täglich etwa 750 000 Fahrgäste.

Nicht von dem Streik betroffen sind die U-Bahnen, Busse und die AKN-Bahn. Auch die Metronom-, Enno- und Erixx-Züge fahren den Angaben zufolge weitgehend planmäßig. Das Unternehmen Metronom wies aber darauf hin, dass es zu Einschränkungen kommen könne, «sollten sich die Mitarbeiter auf den Stellwerken der DB, den DB-Leitstellen, Bahnhöfen und anderen Einrichtungen der Infrastruktur (...) an dem Streik beteiligen».

Die GDL hatte zuvor bundesweit einen Streik beim Fern-, Regional- und Nahverkehr angekündigt. Im Güterverkehr ruft die GDL bereits von Dienstagabend (19.00 Uhr) an zum Streik auf. Am frühen Mittwochmorgen sollen dann von 2.00 Uhr an bundesweite Arbeitsniederlegungen im Personenverkehr und in der Bahn-Infrastruktur folgen, sagte Gewerkschaftschef Claus Weselsky - diese dauerten bis Freitagmorgen, 2.00 Uhr. Eine große Mehrheit der teilnehmenden GDL-Mitglieder hatten sich in einer Urabstimmung für den Ausstand ausgesprochen.

Die Deutsche Bahn hat deshalb bereits für Mittwoch und Donnerstag 75 Prozent ihrer Fernzüge gestrichen. Priorität haben besonders stark genutzte Verbindungen zwischen Berlin und dem Rhein-Ruhr-Gebiet, zwischen Hamburg und Frankfurt sowie die Anbindung wichtiger Bahnhöfe und Flughäfen. Ziel sei ein zweistündliches Angebot mit besonders langen Zügen auf den Hauptachsen, kündigte der Staatskonzern an.

Die Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft unterstützt den Streik. «Es ist vollkommen legitim, wenn Gewerkschaften für die Durchsetzung ihrer Forderungen zum Mittel des Streiks greifen», sagte deren gewerkschaftlicher Sprecher, David Stoop. Die Inflationsrate in Deutschland habe im Juni bei 2,3 Prozent, im Juli aufgrund von Sonderfaktoren sogar bei 3,8 Prozent gelegen. «Die Argumentation der Bahn und anderer Arbeitgeber, es sei derzeit Lohnzurückhaltung gefordert, geht daher in die völlig falsche Richtung.»

Die Bahn hatte zuletzt ein Lohnplus von 1,5 Prozent zum 1. Januar 2022 und 1,7 Prozent zum 1. März 2023 angeboten, bei einer Laufzeit bis Ende Juni 2024.

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