Habeck: «Ich mache hier Wahlkampf für meine Heimat»

30.07.2021 Er wirkt gelassen und bekommt auf seiner «Küstentour» viel Zuspruch: Grünen-Chef Habeck trifft beim Werben um Stimmen zur Bundestagswahl in seinem Heimatland lauter alte Bekannte. Was eine Regierungsbeteiligung in Berlin anlangt, ist er optimistisch.

Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis90/Die Grünen. Foto: Axel Heimken/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Grünen-Chef Robert Habeck sieht trotz des Wirbels um Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock weiterhin gute Chancen seiner Partei für die Bundestagswahl. «Wir haben alle Chancen, das beste Ergebnis, das wir jemals hatten, zu bekommen, das heißt ein Wahlergebnis um die 20 Prozent», sagte Habeck der Deutschen Presse-Agentur zum Abschluss einer zweiwöchigen Tour in Schleswig-Holstein. Sie ging am Freitag zu Ende und hatte den Politiker entlang den Küsten von Nord- und Ostsee geführt.

«Natürlich kann aus diesen 20 Prozent auch mal mehr werden und natürlich kann es auch mal runtergehen. Wir wissen schon, woher wir kommen und was wir uns da aufgeladen haben», sagte Habeck im Blick auf Umfragewerte und die Kanzlerkandidatur Baerbocks. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Grünen an der nächsten Bundesregierung beteiligt sein werden, bezifferte er mit 80 Prozent. Die Frage der Kanzlerschaft sei weiterhin offen.

Zum Abschluss seiner zweiwöchigen «Küstentour» sagte Habeck: «Ich mache den besten Wahlkampf, den ich machen kann und gehe offen auf die Leute zu und versuche so, der Partei zu helfen und mich an die Seite, vor oder hinter Annalena zu stellen.» Baerbock steht in der Kritik, weil sich in ihrem Buch «Jetzt. Wie wir unser Land erneuern» auffallende sprachliche Ähnlichkeiten zu anderen Veröffentlichungen finden. Zudem hatte sie Sonderzahlungen der Partei verspätet an den Bundestag gemeldet und Angaben im Lebenslauf korrigieren müssen. Habeck hatte seine «Küstentour» am 12. Juli mit einem Bekenntnis zur Kanzlerkandidatur Baerbocks begonnen.

Ungeachtet des Drucks auf die Grünen demonstriert er bei seinen Auftritten Gelassenheit. «Ja, ich fühle mich persönlich gut, habe eine innere Ruhe und Stärke, eine Funktion, eine Aufgabe und lasse mir die gute Laune auch nicht nehmen», sagte der 51-Jährige.

Habeck war im Norden unter anderem auf Sylt, Amrum und Föhr, in seiner Geburtsstadt Lübeck, in seinem Wohnort Flensburg und in Heikendorf an der Kieler Förde, wo er 1989 sein Abitur machte. Hier traf er Mitschüler und Lehrer, konnte auch in seinem Elternhaus übernachten. «Das hat auch ganz eindeutig eine emotionale Komponente», sagt Habeck. «Ich mache hier Wahlkampf für meine Heimat.»

Er hoffe, seine «Küstentour» sei für seine Partei hilfreich. «Für mich war es eine unfassbar intensive Erfahrung. Ich habe viele Leute getroffen, die ich lange nicht gesehen habe - ich hätte sie alle umarmen können.»

Im Norden wurde Habeck mit vielen Themen konfrontiert, mit denen er als Umwelt- und Energieminister im Norden von 2012 bis 2918 zu tun hatte: Weltkriegsmunition im Meer, Windenergie, Küstenschutz, Sandvorspülungen vor Sylt und andere. Dabei traf er auch Menschen wieder, mit denen er in seiner Amtszeit so manchen Strauß ausgefochten hatte. Genossen hat er die Reise an Nord- und Ostsee in jeden Fall: «Es ist einfach etwas Besonderes, am Meer zu sein.»

An diesem Samstag startet Habeck mit den Nord-Grünen in Kiel offiziell in den Bundestagswahlkampf. Er steht auf der Landesliste auf Platz zwei hinter der Bundestagsabgeordneten Luise Amtsberg (36). Ein Mandat ist ihm damit faktisch sicher.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News