Insolvenzantrag für Hamburger Werft Pella Sietas angekündigt

29.07.2021 Schlick im Hafenbecken, die Corona-Pandemie und wachsende Probleme mit der Liquidität: Nun steht eine ältesten Werften der Welt zum zweiten Mal binnen zehn Jahren vor einem Insolvenzverfahren.

Werftarbeiter arbeiten in einer Halle auf dem Gelände der Pella Sietas Werft. Foto: Christian Charisius/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die traditionsreiche Hamburger Werft Pella Sietas hat für diesen Donnerstag den Gang zum Insolvenzgericht angekündigt. «Die durch die Corona-Pandemie verursachten Liquiditätsengpässe und die dramatische wirtschaftliche Situation im deutschen Schiffbau haben leider zur Zahlungsunfähigkeit geführt», teilte die Prokuristin Natallia Dean am Mittwoch auf Anfrage der dpa mit. Zuständiges Gericht für Insolvenzen ist in der Hansestadt das Amtsgericht Hamburg.

Die Insolvenz der Pella Sietas GmbH betrifft nach ihren Angaben rund 350 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie etwa 300 Leih- und Werkvertragsarbeiter, die bereits seit Monaten auf ihr Entgelt warten. Kündigungen sind nach Deans Angaben «derzeit nicht» geplant. Sie äußerte sich «überzeugt, dass Pella Sietas eine Zukunft hat». Die Werft verfüge über «eine hervorragende Auftragslage für die kommenden Jahre. «Das ist eine gute Grundlage, auf der wir aufbauen können.»

Derzeit bemüht sich die Werft nach Deans Angaben um Hilfsgeld aus dem in der Corona-Krise aufgelegten Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes. «Wir haben einen Antrag gestellt, über den noch nicht abschließend entschieden wurde.» Die Prokuristin bestätigte auch Informationen des «Hamburger Abendblattes», nach denen die russische Sberbank «den Geldhahn zugedreht» habe.

Neben den branchenweiten Problemen der deutschen Schiffbauer, von denen viele während der Corona-Pandemie in ein beispielloses Auftragsloch gefallen sind, kämpft Pella Sietas mit einem speziellen Problem, das mit der Lage am Südufer der Elbe an der Mündung des Nebenflüsschens Este im Stadtteil Neuenfelde zusammenhängt. Dort verschlicke das Hafenbecken, und ohne Baggerarbeiten oder regelmäßige Spülungen könnten fertige Schiffe die Werft nicht verlassen - und blockierten dann Fertigungsflächen, die für andere Aufträge benötigt würden.

Dieses seit Jahren andauernde Problem «hat uns natürlich schwer getroffen, Abläufe massiv verzögert und viel Geld gekostet», so das Management der Werft. «Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass die Vielzahl dieser Probleme existenzbedrohend ist.»

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