Behörde: Reiserückkehrer treiben Infektionsgeschehen an

13.07.2021 Trotz Impfungen, Tests und Hygieneregeln trägt das Reisen laut Hamburger Gesundheitsbehörde zur Verbreitung des Coronavirus bei. Sie ruft Rückkehrer zu einer freiwilligen Quarantäne auf. Von einer vierten Welle will man aber nicht sprechen.

Eine Lösung wird auf eine Testkassette eines Corona-Schnelltests aufgeträufelt. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Hamburger Gesundheitsbehörde hat Reiserückkehrer für den leichten Anstieg der Corona-Inzidenz seit Anfang Juli verantwortlich gemacht. «Das Reisegeschehen macht einen deutlichen Eindruck auf das Infektionsgeschehen», sagte Behördensprecher Martin Helfrich am Dienstag. In der vergangenen Woche hätten sich 37 Menschen aus Hamburg im Ausland infiziert, allein 22 in Spanien. Das sei ein erheblicher Anteil an den gesamten Neuinfektionen.

In der vergangenen Woche wurden 217 neue Fälle in Hamburg gezählt, der Anteil der Reiserückkehrer-Infektionen beträgt also 17 Prozent. «Wenn niemand reisen würde, dann hätten wir sehr, sehr viel weniger Corona-Fälle im Moment in der Stadt», stellte Helfrich fest. Zwar könne man nur nach einem negativen Test ins Flugzeug steigen, aber es sei möglich, dass der Schnelltest eine unmittelbar zuvor erfolgte Infektion nicht erkenne.

«Wenn man von einer Reise zurückkommt, dann soll man eine Quarantäne einhalten, zum Teil ist das auch vorgeschrieben», sagte der Sprecher. Wenn das Gesundheitsamt Anhaltspunkte habe, dass es sich um eine Virusvariante wie Delta handele, müssten auch vollständig Geimpfte in Quarantäne gehen. Bei den Ansteckungen spielten die jüngeren und mobilen Bevölkerungsgruppen eine wichtige Rolle. «Die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen sticht sehr deutlich heraus, auf sie gehen 75 Fälle zurück», heißt es im wöchentlichen Corona-Briefing der Behörde.

Die als ansteckender geltende Delta-Variante verbreitet sich weiter. Bislang wurden 157 Fälle in Hamburg nachgewiesen, 36 mehr als in der Vorwoche. Außerdem gibt es 335 Verdachtsfälle. Die Gesundheitsbehörde beobachte die Entwicklung der Fallzahlen und der Inzidenz mit großer Sorgfalt, sagte Helfrich und fügte hinzu: «Eine Welle rollt da allerdings noch nicht.»

Die Sieben-Tage-Inzidenz blieb am Dienstag nahezu unverändert. Die Zahl der Neuinfizierten je 100 000 Einwohner binnen einer Woche sank von 11,2 auf 11,1, wie die Gesundheitsbehörde mitteilte. Eine Woche zuvor hatte der Wert bei 9,1 gelegen.

In die Impfkampagne wurden am Dienstag erstmals auch die Besatzungen von Kreuzfahrtschiffen einbezogen. Die Crews können sich während der Liegezeit im Hafen von einem mobilen Team impfen lassen, wie der Branchenverband Clia mitteilte. Den Anfang machten die «Hanseaticnature» von Hapag Lloyd Cruises und die «Aidamar» von Aida Cruises, wo insgesamt mehrere hundert Crew-Mitglieder geimpft werden sollten.

Auch in den sechs Hamburger Gefängnissen sind bereits 370 Insassen geimpft worden, wie die Justizbehörde mitteilte. Wie viel Prozent der rund 1800 Gefangenen immunisiert sind, sei wegen der hohen Fluktuation unklar. Die Behörde geht davon aus, dass auch 75 bis 80 Prozent der Bediensteten geimpft sind.

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