Senatorin: Impfquote von 80 Prozent erreichbar

12.07.2021 Hamburgs Impfkampagne könnte nach Einschätzung von Gesundheitssenatorin Leonhard schon bald an eine Grenze stoßen: Kinder dürfen nicht geimpft werden, Jugendliche nur zum Teil. Die empfohlene Impfquote von 85 Prozent dürfte kaum zu erreichen sein.

Melanie Leonhard (SPD) spricht zu Medienvertretern. Foto: Marcus Brandt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit seiner Corona-Impfkampagne könnte Hamburg der sogenannten Herdenimmunität seiner Bevölkerung zumindest nahe kommen. «Mit viel, viel Anstrengung können wir an die 80 Prozent insgesamt kommen», sagte Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Montag. «Jedes Prozent darüber ist supergut», fügte sie hinzu. Bislang hätten fast 60 Prozent der 1,9 Millionen Einwohner mindestens eine Impfung bekommen.

15 Prozent der Einwohner könnten nicht geimpft werden, weil sie Kinder unter zwölf Jahren seien oder besondere Erkrankungen hätten, erklärte die Senatorin. Weitere fünf Prozent gehörten zur Altersgruppe der 12- bis 16-Jährigen, für die es keine Impfempfehlung gibt. Der Anteil der Impfgegner sei in Hamburg dagegen geringer als in süddeutschen Großstädten. Leonhard schätzte den Anteil der «harten Impfverweigerer» auf fünf Prozent.

Aus Sicht des Robert Koch-Instituts sollten im Kampf gegen die im Vormarsch befindliche Delta-Variante des Virus mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Menschen ab 60 Jahren vollständig geimpft sein. «Bei rechtzeitigem Erreichen dieser Impfquote scheint eine ausgeprägte 4. Welle im kommenden Herbst/Winter unwahrscheinlich», hieß es in einem Papier des Instituts.

Zur Frage, ob eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen eingeführt werden müsse, sagte Leonhard: «Im Moment sehe ich das noch nicht.» Beim Pflege- und Kitapersonal gebe es sehr gute Impfquoten von über 70 Prozent. In der Pandemie könnte es aber eine Situation geben, in der eine Impfpflicht wie bei Masern für bestimmte Berufe gesetzlich geregelt werde.

Hamburg unternehme große Anstrengungen, alle Bevölkerungsgruppen zu erreichen, erklärte Leonhard. Geimpft werde in Jobcentern und demnächst auch in mehreren Stadtteilen in Bürgerhäusern. Mobile Impfteams versorgten besondere Zielgruppen wie Erntehelfer oder Seeleute. Nach der Sommerpause würden vermutlich auch wieder mehr Jüngere in die Impfzentren kommen.

Hamburg werde dennoch von dem Angebot des Bundesgesundheitsministeriums Gebrauch machen, Lieferungen von Astrazeneca zurückzugeben. Die Nachfrage nach diesem Impfstoff sei nach der wieder veränderten Empfehlung der Ständigen Impfkommission massiv eingebrochen. «Die Verunsicherung ist maximal», sagte Leonhard.

Die Zahl der Neuinfektionen bezeichnete die Senatorin als gering, auch wenn die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt wieder etwas gestiegen sei. Weitere größere Lockerungen der Corona-Regeln plane der Senat nicht. Möglich seien aber kleinere «Arrondierungen», etwa bei der Testpflicht für körpernahe Dienstleistungen, der Sperrstunde für die Innengastronomie oder dem Alkoholverbot. Eine Öffnung von Clubs und Diskotheken schloss Leonhard aus. «Da ist Vorsicht geboten.»

Hamburgs Sieben-Tage-Inzidenz stieg am Montag leicht auf 11,2. Am Vortag hatte die Zahl der Neuinfizierten je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche bei 10,8 gelegen, eine Woche zuvor bei 8,6. Am Montag kamen nach Angaben der Gesundheitsbehörde 19 bestätigte Ansteckungen hinzu, 5 weniger als am Vortag und 8 mehr als vor einer Woche. Derzeit seien bis zu einem Drittel der täglichen Neuinfektion - fünf bis sechs Fälle - Reiserückkehrer, sagte Leonhard. Mehrfach seien schon die gesamten Insassen von Flugzeugen aus Spanien unter Quarantäne gestellt worden. Spanien gilt seit Sonntag als Risikogebiet.

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