Vergnügen statt «Bettelei»: Erfolg für «Einer kommt»-Reihe

14.06.2021 Vor einem Jahr war das Konzept so unerwartet wie erfolgreich. In Hamburg wurden Tickets für ein Festival verkauft, das gar nicht stattfand. Das Ziel des Nicht-Festivals: Geld für Künstler sammeln, die wegen Corona existenzbedroht waren. Das Konzept ging auf.

Lars Meier, Geschäftsführer der Gute Leude Fabrik. Foto: Marcus Brandt/dpa/ © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit dem Hamburger Nicht-Festival «Keiner kommt, alle machen mit» sowie den beiden Streamingfestivals «Einer kommt, alle machen mit» und weiteren Charity-Aktionen sind mehr als eine Million Euro Spenden für die Hamburger Kulturszene eingesammelt worden. «Es gab in Hamburg meines Wissens nach keine Spendenaktion, die die Massen mehr bewegt hat. Wir hatten sehr viele kleine Einzelspenden», sagte Lars Meier, der kreative Kopf hinter den Aktionen, der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Er ist Geschäftsführer der Gute Leude Fabrik und Vorstandsmitglied des Hamburger Hilfsvereins MenschHamburg. Diesem seit 2011 bestehenden Verein kamen die insgesamt 1.035.800 Euro zugute.

Etwa die Hälfte des Geldes wurde bereits an Künstler ausgeschüttet, die wegen der Corona-Krise in finanzielle Not geraten sind. Ein Gremium mit Fachexperten aus Film, Theater, Musik, Literatur und Bühnen hat die Anträge geprüft. In den vergangenen zwölf Monaten seien mehr als 400 bewilligt worden, im Schnitt seien rund 2500 Euro geflossen.

Beim Spendensammeln war vor allem das Nicht-Festival «Keiner kommt, alle machen mit» sehr gut angekommen. Und zwar nicht nur bei den Hamburgern. «Wir haben Tickets in 28 Länder der Welt verkauft», sagte Meier. Am Ende wurden mit dem Festival ohne Künstler etwa 530.000 Euro eingenommen.

Die beiden Folgeversionen «Einer kommt, alle machen mit» - 2020 in der Elbphilharmonie und 2021 auf acht verschiedenen Bühnen der Stadt und mit Solo-Auftritten unter anderem von Bjarne Mädel, Ina Müller, Bosse, Dittsche und Tim Mälzer - brachten weitere 70.000 und 280.000 Euro ein. «Ich habe immer dran geglaubt, weil ich auch immer an die Qualität geglaubt habe. Das ist ja nicht nur eine Bettelei, sondern die Leute zahlen ja für ein großes Kulturvergnügen.»

Meier hofft, dass in Sachen Corona nun das Schlimmste überstanden ist und dass der Verein MenschHamburg künftig auch wieder andere Schwerpunkte - zum Beispiel bei Kindern, Älteren und Obdachlosen - setzen kann.

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