Schiffbau-Zulieferer verlassen Corona-Tal

07.06.2021 Im Schiffbau selbst mussten deutsche Unternehmen immer mehr Marktanteile an asiatische Konkurrenten abgeben. Bei technologisch anspruchsvollen Zulieferteilen ist die heimische Industrie aber noch weltweit führend. Die Sorge wächst, dass der Wettbewerb rauer wird.

Eine 32 Tonnen schwere Schiffsschraube wird mit Hilfe von zwei Kranen aufgestellt. Foto: Jens Büttner/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die deutschen Zulieferer für die Schiffbau- und Offshore-Industrie rechnen nach dem Corona-Rezessionsjahr 2020 mit einer spürbaren Erholung. Auch wenn in Teilen der Branche die Auslastung noch nicht ausreichend sei, «geben doch die steigenden Bestellungen für neue Schiffe mehr als Hoffnung für 2021 und 2022», sagte der Vorsitzende der entsprechenden Arbeitsgemeinschaft (AG) im Maschinenbauverband VDMA, Martin Johannsmann, am Montag in Hamburg.

Impulse verzeichnet die Industrie demnach vor allem aus den großen Schiffbaunationen in Asien. Die Auftragslage habe sich deutlich verbessert, «das ist geprägt von Schiffbauneuaufträgen in Asien, in Korea und China von deutschen und europäischen Reedern», sagte etwa der Chef des Schweinfurter Lagerspezialisten SKF. Die Auftragslage steuere damit ungefähr wieder die des Vor-Corona-Jahres 2019 an. Sorge bereite den Zulieferern allerdings wie auch den Schiffbauern, dass die Pandemie den Kreuzfahrtboom und damit auch den Bau neuer Schiffe jäh unterbrochen hat. Auf längere Sicht werde aber mit einer Normalisierung gerechnet, «die Frage ist, wann das kommt».

Die Industrie, die von der Schraube bis zum Navigationssystem und vom Schiffsdiesel bis zur elektronischen Steuerung wichtige Komponenten für Schiffe liefert, sieht sich als weltweiter Marktführer und lebt zum größten Teil vom weltweiten Export. Fast die Hälfte des Umsatzes entfällt auf Unternehmen in Bayern und Baden-Württemberg, weitere bedeutende Zulieferer sitzen in Nordrhein-Westfalen und den norddeutschen Bundesländern. «Wir reden hier von einer Industrie, die alles andere als norddeutsch ist, sondern sie ist im besten Sinne gesamtdeutsch», sagte das Vorstandsmitglied der AG, Bernd Sitte.

Wie die Werftindustrie selbst kämpfen auch deren Zulieferer mit immer härterer Konkurrenz aus China, das selbst immer größere Teile der Wertschöpfungsketten im Schiffbau selbst abdeckt. Es gebe dort durchaus Bestrebungen, den Markt zunehmend abzuschotten und den Schiffsneubau mit chinesischen Zulieferern zu bedienen, beklagt Johannsmann.

Große Hoffnungen setzt die Industrie auf den in den kommenden Jahren in Deutschland und anderen EU-Ländern geplanten massiven Ausbau der Windenergie auf See. «Die letzten zwei bis drei Jahre waren viel stärker geprägt von Ausbauplänen in den USA und in Asien weil bekanntermaßen ja in Deutschland da nicht so viel neu gekommen ist», sagte Johannsmann. «Wir gehen davon aus, dass es aufgrund der Diskussion über den Klimawandel und eben auch den Ausbau der Erneuerbaren Energien, wo die Windenergie auch offshore eine ganz große Rolle spielt, wieder deutlich an Fahrt gewinnt.» Neben dem Bau von Schiffen, die für die Errichtung von Windparks gebaut werden, spielt für die Branche auch das Servicegeschäft mit der Wartung von Windanlagen eine Rolle.

Die Schiffbauzulieferer mit derzeit 63.000 Beschäftigten (minus 2,5 Prozent gegenüber 2020) haben im vergangenen Jahr einen Umsatzeinbruch von knapp 5 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro verkraften müssen, so wenig wie seit 2006 nicht mehr. Die Bestellungen gingen sogar um knapp 11 Prozent zurück. «Nach Überbrückung der Auftragsflaute in der Fertigung sind mit steigendem Auftragseingang im laufenden Jahr 2021 die weiteren Aussichten für 2022 sehr positiv», berichtet die AG Marine Equipment and Systems.

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