Zwei Jahre und sieben Monate Haft für Polizisten

02.06.2021 Aus Liebe hat ein Bundespolizist die Seiten gewechselt und seiner junge Freundin und ihren Komplizen bei Trickdiebstählen geholfen. Dafür muss der 44-Jährige nun zwei Jahre und sieben Monate in Haft.

Blick auf das Landgericht in Hamburg. Foto: Daniel Reinhardt/dpa/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Weil er seiner kriminellen Freundin geholfen hat, soll ein Bundespolizist für zwei Jahre und sieben Monate ins Gefängnis. Das Hamburger Landgericht verurteilte den 44-Jährigen am Mittwoch zu dieser Strafe, seine 20 Jahre alte Freundin, die ein Kind von ihm erwartet, kam mit einer Bewährungsstrafe davon, ebenso eine 54 Jahre alte Mitangeklagte. Die beiden Frauen hatten unter anderem in Hamburger Einkaufszentren ältere Menschen bestohlen. Der Bundespolizist, der früher selbst gegen Trickdiebe ermittelte, hatte aus Liebe die Seiten gewechselt und seine junge Freundin und ihre Komplizen mit seinem Auto zu den Tatorten gefahren.

«So ein Fall wie hier ist mir in meiner richterlichen Laufbahn noch nicht passiert», sagte der Vorsitzende Richter Georg Halbach. Vor allem der Seitenwechsel des Polizisten, von dem man die Verfolgung von Recht und Ordnung erwarte, habe zu dem Strafmaß geführt. Seine 20 Jahre alte Freundin bekam eine Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das sei jedoch der «allerletzte Warnschuss», meinte der Richter auch mit Blick auf die Schwangerschaft der Frau, die schon seit längerem Straftaten begangen hat. «Mit dem Urteil erhalten sie ihre letzte Chance, ihr Leben in den Griff zu kriegen», sagte der Richter.

Den Angeklagten werden fünf Taschen- und Trickdiebstähle unter anderem in Hamburger Einkaufszentren zur Last gelegt. Bei zwei der Taten sei es beim Versuch geblieben. Die Anklage lautet auf schweren und gewerbsmäßigen Bandendiebstahl. Zudem soll der Beamte der jungen Frau 16 Mal sein Auto überlassen haben, obwohl er wusste, dass die 20-Jährige keine Fahrerlaubnis hatte.

Die Diebstähle liefen immer nach einem ähnlichen Muster ab: Ein Bandenmitglied verdeckte die Tat, während ein anderer die Geldbörse aus einer Tasche oder einem Rucksack entwendete. Der Polizist sicherte die Gegend ab und fuhr die Mitglieder mit seinem Auto zum Tatort. Gegen weitere Komplizen läuft ein gesondertes Verfahren.

Bei ihrem letzten Diebstahl sollen die hier Angeklagten am 5. November im Einkaufszentrum Hamburger Meile einer 82-Jährigen ein Portemonnaie mit 150 Euro gestohlen haben. Wenig später nahm die Polizei die Angeklagten im Privatauto des Bundespolizisten fest.

Zu Beginn des Prozesses hatten sich die Beteiligten auf ein Strafmaß geeinigt. Der 44 Jahre alte Angeklagte versprach im Gegenzug, ein umfassendes Geständnis abzulegen. «Ich habe Melisa kennengelernt und mich verliebt, das erste Mal richtig in meinem Leben», hatte der Polizeihauptmeister im Prozess gesagt. Auch die beiden Frauen hatten ein Geständnis abgelegt. Im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs hatte der Polizist mehr als 1.400 Euro als Wiedergutmachung gezahlt. Nach seiner Verurteilung verliert er nun seinen Beamtenstatus. Weil die Geburt des Babys unmittelbar bevorsteht, kommt der Angeklagte erst einmal frei, bis das Urteil rechtskräftig ist.

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