Behörde will nicht an Praxen gelieferten Impfstoff sichern

29.05.2021 Wie andernorts in Deutschland fehlt auch in Hamburg Corona-Impfstoff. Ein wesentlicher Baustein der Impfkampagne sind die Hausärzte. Dorthin gelang aber weniger Impfstoff als eigentlich für die Hansestadt vorgesehen.

Eine Arzthelferin impft eine Patentin mit einer Spritze. Foto: Ole Spata/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

An die Hamburger Arztpraxen ist in den vergangenen Wochen weniger Corona-Impfstoff geliefert worden als der Stadt zugestanden hätten. Das geht nach Angaben der Gesundheitsbehörde aus einem vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Auftrag gegebenen Bericht zur Impfstoffverteilung über den pharmazeutischen Großhandel hervor. Demnach gelangten in den Kalenderwochen 14 bis 19 - also von Anfang April bis Mitte Mai - insgesamt rund 30.000 Dosen Impfstoff weniger nach Hamburg als laut Bundesschlüssel zur Verwendung in den Arztpraxen hätten bestellt werden können.

Anders als die Impfzentren erhalten die Arztpraxen ihren Impfstoff über die Apotheken vom pharmazeutischen Großhandel. «Mengen, die von Ärzten nicht abgerufen werden, weil in den Praxen keine Kapazitäten bestehen oder die Praxen aus anderen Gründen nicht in der Lage sind, an der Impfkampagne teilzunehmen, müssen dennoch für die Hamburger Bevölkerung zur Verfügung stehen», sagte Behördensprecher Martin Helfrich der Deutschen Presse-Agentur.

Wie genau es zu den Minderlieferungen kam, geht aus den PEI-Zahlen nicht hervor. Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVHH) wurde nur in der ersten Maiwoche in den Arztpraxen zurückhaltend bestellt. Grund seien die Diskussion um die Verträglichkeit des Mittels von Astrazeneca und besondere Probleme mit der Lieferverlässlichkeit gewesen, sagte Sprecher Jochen Kriens der dpa. «In den Wochen danach war es dann aber wieder so viel, dass sie nur quotiert beliefert werden konnten. Mit anderen Worten: Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte hätten gerne sehr viel mehr verimpft, als ihnen an Impfstoff geliefert wurde.»

Das bestätigte auch der zweite Vorsitzende des Hausärzteverbands Hamburg, Mike Müller-Glamann. Der Bund habe zu wenig Impfstoff nach Hamburg geliefert. «Jetzt werden vom Kontingent der niedergelassen Ärzte auch noch die Betriebsärzte, die Privatärzte und Kinderimpfungen bestritten. Mit immer neuen Impfwegen und weniger Impfstoff wird der Impfturbo zum Rohrkrepierer», warnte er. Die Hausärzte hätten bewiesen, das sie schnell große Mengen impfen können. «Zu den Hausärzten gehört der Impfstoff, solange nicht genug verfügbar ist», sagte er der dpa.

Nach Angaben der KVHH beteiligen sich etwa 1000 Hamburger Arztpraxen und damit rund die Hälfte von denen, die impfen könnten, an der Impfkampagne. Ob die Impfstofflieferungen von den Apotheken quotiert werden, hänge jeweils von der aktuellen Verfügbarkeit ab und sei deshalb auch von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich, sagte Kriens.

Wie mit Minderlieferungen umgegangen werden soll, sei auch beim Impfgipfel am Donnerstag Thema gewesen, sagte Helfrich. Einen Beschluss dazu hätten die Regierungschefs von Bund und Ländern aber nicht gefasst. Hamburg setze sich dafür ein, dass die nicht an Arztpraxen gelieferten Mengen, die Hamburg aber zustehen, gesammelt an das Impfzentrum geliefert werden. «So könnten sie dennoch einen Beitrag dazu leisten, Termine für Hamburgerinnen und Hamburger zu ermöglichen, statt dass sie andernorts verwendet werden.»

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