Zehn Jahre nach Ehec: Amt sieht Sicherheit verbessert

26.05.2021 Vor zehn Jahren gab es schon einmal Seuchenalarm: Tausende Menschen in Norddeutschland erkrankten an Magen und Darm, es gab über 50 Tote. Die Behörden mussten lange nach dem Auslöser suchen.

Eine Packung mit Sprossen steht auf einem Labortisch. Foto: picture alliance / dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zehn Jahre nach der Ehec-Epidemie mit 53 Toten sieht die niedersächsische Lebensmittelaufsicht den Schutz vor den gefährlichen Erregern verbessert. Als Ursache schwerer Magen-Darm-Krankheiten waren damals verunreinigte Sprossen ausgemacht worden. «Nach dem EHEC-Ausbruch 2011 sind verstärkt auch pflanzliche Produkte in den Fokus gerückt und werden häufiger kontrolliert», teilte das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) in Oldenburg mit.

Die EU habe die regelmäßige Untersuchung von Sprossen in ihre Verordnung über mikrobiologische Kriterien für Lebensmittel aufgenommen. «Außerdem sind Sprossenhersteller seither zulassungspflichtige Betriebe.»

Die Durchfallerkrankungen von 2011 wurden durch den Stamm O104:H4 des Bakteriums Escherichia coli (Ehec) ausgelöst. Von Anfang Mai bis Ende Juli erkrankten nach Zählung des Robert Koch-Instituts (RKI) 2987 Menschen an akuter Gastroenteritis. Weitere 855 Menschen litten unter dem gefährlichen HUS-Syndrom mit Nierenversagen und gestörtem Blutbild. Betroffen war vor allem Norddeutschland, doch einzelne Fälle kamen auch in allen anderen Bundesländern und im Ausland vor.

Bei der Suche nach der Quelle der Epidemie warnten die Behörden davor, rohe Gurken, Tomaten oder Blattsalat zu verzehren. Zeitweise stoppten einige Bundesländer den Import spanischer Gurken. Dann konnte das Laves das vom Ehec-Bakterium gebildete Gift Shigatoxin in einer Probe Sprossen nachweisen. Die Rückverfolgung der Lieferketten von Sprossen führte zu einem Biohof in Bienenbüttel im Kreis Uelzen.

Dort wurde der Betrieb gestoppt und alles untersucht, allerdings ließ sich der Erreger auf dem Hof nicht mehr nachweisen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kam zu dem Schluss, dass die Verunreinigung über Bockshornkleesamen aus Ägypten eingeschleppt worden sei.

Nach Laves-Angaben ist Ehec weiterhin verbreitet. In den vergangenen Jahren sei der Erreger in Rohmilch, Rohkäse, Roggenmehl und Feldsalat, aber auch in Kälbern gefunden worden. Sprossen waren nicht betroffen. Gerade Rohmilch müsse für Verbraucher gekennzeichnet sein, weil sie mit vielen krankmachenden Keimen belastet sein könne, hieß es im Landesamt. Erkrankungen durch Ehec blieben aber Einzelfälle. Im Bericht zu lebensmittelbedingten Erkrankungen für 2019 zählte das RKI 7 Ehec-Ausbruchsorte mit 16 Patienten.

Mit Corona will das Landesamt die Ehec-Epidemie nicht vergleichen. «Im Jahr 2011 handelte es sich um einen - wenn auch sehr großen - lebensmittelbedingten Krankheitsausbruch, wohingegen die Covid-19-Erkrankung zu einer Pandemie geführt hat», sagte Laves-Präsident Eberhard Haunhorst. Das Coronavirus verbreite sich nicht über Lebensmittel, sondern durch die Luft. «Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist damit relativ gut möglich.»

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