Buchholz: Bund soll Aufträge für Marine vorziehen

23.05.2021 Die nationale maritime Konferenz ist gerade vorbei, doch Politik und Wirtschaft im Norden fordern jetzt reale Impulse für den Schiffbau. Der Bund soll Aufträge für die Marine vorziehen, sagt Minister Buchholz. Die IHK verlangt Perspektiven für Werften und Zulieferer.

Bernd Buchholz (FDP), Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus. Foto: Frank Molter/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz hat das Bundesverteidigungsministerium aufgefordert, Aufträge für die Marine vorzuziehen und damit den krisengeschüttelten Schiffbau zu stärken. «Es gibt aktuell gerade im militärischen Schiffbau die riesige Chance, die Modernisierung der Flotte deutlich schneller in Angriff zu nehmen als geplant und damit auch die Auftragslage im Schiffbau zu verbessern», sagte der FDP-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Er fordere Bundesministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) deshalb auf, Aufträge so rasch wie möglich zu erteilen und anstehende Wartungsarbeiten bei der Marine vorzuziehen.

Mit der Einstufung des Baus von Marine-Überwasserschiffen als nationale Schlüsseltechnologie durch den Bund seien europaweite Ausschreibungen überflüssig geworden, betonte Buchholz. «Wenn auch Frau Kramp-Karrenbauer den Beschluss zur Schlüsselindustrie ernst nähme, würden Flotte und Schiffbauer gleichermaßen profitieren.» Allein in Schleswig-Holstein sind rund 35 000 Menschen in 2100 Betrieben und Einrichtungen in der maritimen Industrie beschäftigt.

Die Wirtschaft im Norden unterstützt den Vorstoß des Ministers. «Die maritime Industrie ist eine Schlüsselbranche in unserem Land, aber massiv in ihrer Existenz bedroht», sagte Kiels der Präsident der IHK Kiel, Klaus-Hinrich Vater. Die Branche sei essenziell für den Welthandel und für die Rohstoffversorgung. «Es ist allerhöchste Zeit, dass die maritime Industrie wieder auf der Karte der Industrieschwerpunkte erscheint und einen Platz neben der Automobilbranche oder den Herstellern von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien einnimmt», sagte Vater.

Vater und Buchholz hoben auch die große Rolle der maritimen Zulieferindustrie hervor. Sie mache im Schiffbau in Schleswig-Holstein bis zu 80 Prozent der Wertschöpfung aus. «Wir sehen hier vor allem große Chancen in vielen Zukunftsfeldern», sagte Vater. Als Beispiele nannte er eine emissionsfreie Schifffahrt, Tiefseebergbau und die Beseitigung von Weltkriegsmunition im Meer. Es sei wichtig, diese Technologien in Schleswig-Holstein zu halten.

Die maritime Wirtschaft sei einer der wichtigsten Innovationstreiber, sagte der IHK-Präsident. Damit dies so bleibe, müssten Schiffbaustandorte wie Kiel, Rendsburg oder Flensburg nicht nur ihre Technologieführerschaft behalten, sondern auch für Aufträge aus anderen Ländern attraktiver werden und wieder mehr eigene Schiffe bauen dürfen.

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