Hotel-Großbrand in Kaltenkirchen: Angeklagter schweigt

21.05.2021 Aus Wut soll er ein Feuer gelegt haben. Ein ganzes Haus ging in Flammen auf, Menschen gerieten in Gefahr. Im Prozess sprach der Angeklagte von einer schwierigen Kindheit und Jugend.

Die Statue Justitia. Foto: Peter Steffen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Prozess um ein Großfeuer in einem Hotel- und Restaurant-Gebäude in Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) hat der Angeklagte am Freitag zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft geschwiegen. Der 26-Jährige muss sich wegen versuchten Mordes aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen sowie Brandstiftung verantworten. Zum Prozessauftakt machte er nur Angaben zur Person. Er sprach von einer schwierigen Kindheit und Jugend bei Pflegeeltern, Aufenthalten in der Jugendpsychiatrie, Alkohol-, Drogen- und Tablettensucht sowie Schul- und Ausbildungsabbrüchen.

Laut Anklage setzte der Mann in der Nacht zum 13. November 2020 nach einem Streit mit einem früheren Arbeitskollegen aus Wut einen mit dem Gebäude verbundenen Holzunterstand in Brand. Daraufhin fing das ganze Haus Feuer und wurde nahezu völlig zerstört. Zehn Menschen wurden nach damaligen Angaben der Feuerwehr noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Mehrere Freiwillige Wehren waren über Stunden im Einsatz.

Nach Aussagen des betroffenen Ex-Kollegen kannten der Angeklagte und er sich seit vielen Jahren und seien früher gut befreundet gewesen. Doch der 14 Jahre Jüngere sei immer wieder launisch und aggressiv gewesen und habe auch Sachen von ihm zerstört. In der Tatnacht habe der Angeklagte ihm gegen 01.45 Uhr einen zerknitterten Brief mit Bankauszügen gebracht und ein Gespräch gewollt. Er habe das abgelehnt und ihm die Tür vor der Nase zugemacht.

Wenig später hörte er, schon im Bett liegend, plötzlich lautes Knistern, «als wenn ein Lkw mit Volldampf durch den Wald rast». Beim Rausschauen habe er dann die Flammen gesehen. Der Mann kletterte übers Vordach, weckte schlafende Mitbewohner, so dass sich alle durch das im Parterre gelegene Restaurant ins Freie retten konnten. «Durch die Rückseite ging es nicht mehr», sagte er.

Der Beschuldigte wurde kurze Zeit nach der Tat festgenommen. Er sitzt in Untersuchungshaft. Das Gericht will vier Tage verhandeln. Das Urteil wird am 10. Juni erwartet. Ein psychiatrischer Gutachter sitzt im Saal und soll zur Schuldfähigkeit des Mannes Stellung nehmen.

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