Hamburg behält Priorisierung im Impfzentrum bei

20.05.2021 Seit Bundesgesundheitsminister Spahn das Ende der Impfpriorisierung angekündigt hat, hagelt es Kritik aus Hamburg. Nun steht fest: Im Impfzentrum der Stadt soll sich an der Impfreihenfolge so schnell nichts ändern.

Hamburgs Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard gibt eine Pressekonferenz. Foto: Georg Wendt/dpa/archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hamburg wird die Impfpriorisierung auch über die vom Bund zum 7. Juni angekündigte Aufhebung hinaus im zentralen Impfzentrum beibehalten. Dort würden kurzfristig nur noch Termine an Menschen vergeben, «die gemäß der Impfpriorisierung einen Anspruch auf eine bevorzugte Schutzimpfung haben und bereits zur Terminvereinbarung aufgerufen wurden», sagte Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Mittwochabend der Deutschen Presse-Agentur. Das von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verkündete Ende der Priorisierung komme zu früh, da absehbar noch zu wenig Impfstoff vorhanden sei. Und der verfügbare Impfstoff sei vor allem für Zweitimpfungen vorgesehen. «Unsere Spielräume für Erstimpfungen sind begrenzt.»

Viele Menschen hätten aber bisher noch gar keine Chance gehabt, einen Termin zu vereinbaren, «weil wir schlicht nicht genug Impfstoff haben», sagte Leonhard. «Gerade Gruppen, die dringend auf Impfungen angewiesen sind, sind dann im Windhundrennen mit anderen Menschen, die jetzt ja auch gern eine Impfung haben möchten, und könnten das Nachsehen haben», sagte sie. «Wir kommen also in Situationen ohne Priorisierung und ohne Impfstoff.» Das Impfzentrum solle in einer solchen Situation «weiterhin einen bevorzugten Zugang bieten».

Für Schutzimpfungen in den Arztpraxen gelte ab dem 7. Juni die Priorisierung hingegen nicht mehr. «Das heißt, jede und jeder kann einen Termin vereinbaren», sagte die Senatorin. Ab Juni sollten die Arztpraxen deshalb die Hauptanlaufstelle sein, «wenn es um Schutzimpfungen und Impftermine geht».

Die vom Bundesgesundheitsminister angekündigte Aufhebung der Priorisierung war am Mittwoch auch in der Bürgerschaft kritisiert worden. Spahn müsse «endlich dafür sorgen, dass wir mehr Impfstoff bekommen», sagte SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf. Die Aufhebung sei «vorschnell und kontraproduktiv». Auch der Grünen-Abgeordnete Peter Zamory, selbst praktizierender Allgemeinmediziner, warnte: «Das wird den Druck auf uns Arztpraxen enorm steigern.»

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