Tausende Flächen müssen noch auf Altlasten untersucht werden

18.05.2021 Was liegt in einer zugeschütteten Kiesgrube? Wie sieht der Boden unter einem längst verlassenen Industriegelände aus? Altlasten sind seit Jahrzehnten ein drängendes Problem. Bei Untersuchungen und Sanierungen in Schleswig-Holstein bleibt noch Arbeit.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) spricht. Foto: Axel Heimken/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Schleswig-Holstein gibt es noch Tausende Flächen, die genauer auf möglicherweise gefährliche Altlasten untersucht werden müssen. In mehr als 6500 Fällen fehlt nach Angaben des Umweltministeriums eine Gefährdungsabschätzung. Weit über 1000 Flächen im Land seien bereits saniert worden, bei vielen weiteren zeichne sich ein Sanierungsbedarf ab, sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Dienstag bei der Vorstellung eines Programms zum Schutz der Böden und zum Flächenmanagement. In den vergangenen Jahren sei bei der systematischen Erfassung für 73 400 Flächen ein Verdacht auf Altlasten entkräftet worden.

Der Minister kündigte an, Kommunen mit EU- und Landesmitteln bei den oft teuren Sanierungen zu unterstützen. «Aber auch die Verursacher der Schäden sollen künftig weiterhin in die Pflicht genommen und zur Sanierung der Flächen herangezogen werden.». Altlasten können zum Beispiel Bodenverunreinigungen durch Chemikalien auf früheren Unternehmensstandorten sein, es können aber auch verfüllte ehemalige Kiesgruben dazugehören.

Bereits im Januar hatte das Kieler Kabinett beschlossen, künftig deutlich weniger bisher unversiegelte Flächen in Schleswig-Holstein mit Straßen, Gewerbebauten oder Wohnhäusern zu überbauen. Dafür sollen vorrangig brachliegende Flächen genutzt werden, anstatt auf der grünen Wiese neu zu bauen. Das Ziel ist, den täglichen Zuwachs an Siedlungs- und Verkehrsflächen bis 2030 auf weniger als 1,3 Hektar pro Tag zu verringern. Nach Angaben von Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) sind es aktuell mehr als drei Hektar pro Tag. Das entspricht etwa der Fläche von gut vier Fußballfeldern.

Häufig sei es heute immer noch viel schneller und kostengünstiger, neue Flächen zu bebauen als alte ungenutzte aufzukaufen und so aufzubereiten, dass dort Neues entstehen kann, kritisierte Sütterlin-Waack. Es gehe beispielsweise um Firmengelände und Kasernen oder leer stehende Wohnblöcke. «Da wollen wir ran, denn diese Flächen können wir nutzen.»

Ziel sei die Innenentwicklung von Städten und Gemeinden. Bevor neue Flächen für Gewerbe und Industrie ausgewiesen werden, sollen Brachflächen, Alt- und Konversionsstandorte genutzt werden. Auch der Abriss von nicht mehr benötigten Gebäuden im Innenbereich von Orten solle für mehr nutzbare Flächen sorgen.

Bis 2026 stehen nach Angaben der Ministerin 30 Millionen Euro und sieben Planstellen für dieses Flächenmanagement zu Verfügung. Unter anderem solle ein Netzwerk von kommunalen und regionalen Flächenmanagern aufgebaut werden. «Sie sollen unsere Kenntnisse über Brachflächen und Baulücken verbessern und die Städte und Gemeinden bei der Entwicklung um Umnutzung dieser Flächen beraten.» Abgestimmte Planungen und Zusammenarbeit sollen einen Flächenwettbewerb zwischen den Kommunen verhindern.

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