Berlin will Kinder an Schulen impfen: Vorbereitungen laufen

03.12.2021 Ab Mitte Dezember soll es in größerem Rahmen möglich sein, Kinder zwischen 5 und 11 Jahren gegen Corona zu impfen. Doch wie soll das vonstatten gehen? Franziska Giffey hat da einige Ideen. Erste Vorbereitungen laufen.

Franziska Giffey, Vorsitzende der Berliner SPD und designierte Regierende Bürgermeisterin von Berlin. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin will die geplanten Corona-Impfungen für Kinder zwischen 5 und 11 Jahren direkt in Schulen anbieten. «Wir müssen Kindern zügig und unkompliziert ein Impfangebot machen, am besten dort, wo sie sowieso täglich sind - in der Schule und auch für die fünfjährigen Kitakinder», sagte die designierte Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey der Deutschen Presse-Agentur. «In Berlin bereiten wir genau das gerade vor», so die SPD-Politikerin.

Eingesetzt werden sollen dafür die mobilen Impfteams, wie Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) ankündigte. «Wir werden mit dem Impfen bald in den Schulen beginnen», sagte Kalayci am Freitag der dpa. Dies solle nach Möglichkeit noch vor Weihnachten erfolgen. «Das wäre ein wichtiges weiteres Mittel zur Bekämpfung der Corona-Pandemie.»

Die mobilen Impfteams haben freie Kapazitäten, nachdem die Gesundheitsverwaltung den Betrieb der Impfbusse eingestellt hat. Dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) sei es nicht gelungen, winterfeste Busse einzusetzen. Zuvor hatten darüber mehrere Medien berichtet. «Die Busse waren nie für den längerfristigen Einsatz vorgesehen», sagte dazu ein DRK-Sprecher.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Bettina Jarasch warnte vor zu großen Erwartungen mit Blick auf die Impfung kleinerer Kinder. Ihnen sollten zügig Impfangebote ermöglicht werden, sagte Jarasch am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. «Klar ist aber auch: Die flächendeckende Impfung von kleineren Kindern wird nicht der Hebel sein, um die Pandemie zu überwinden», so die Grünen-Politikerin. «Unser Problem bleiben die ungeimpften Erwachsenen, hier müssen wir alle Energie reinstecken. Den Wendepunkt bei der Pandemie werden wir dadurch erreichen, dass wir hier die Impfquoten hochkriegen und schnell und ausreichend Impfungen bereitstellen.»

Giffey betonte, dass für Kinder auch niedrigschwellige Impfangebote an anderen Orten nötig seien - gerade im Hinblick auf die Weihnachtsferien, in denen Schulen geschlossen seien: «In den Impfzentren, mit besonderen Impfstraßen für die Kinder, an Orten, an denen Kinder vielleicht noch etwas erleben können.» Denkbar sei eine Impfung beim Zoobesuch.

Giffey hat aber noch andere Ideen: «Man könnte bei den Dinosauriern im Naturkundemuseum impfen oder im Olympiastadion», sagte die Politikerin, die am 21. Dezember im Abgeordnetenhaus zur Regierungschefin gewählt werden soll.

«Ich glaube, dass Kinderimpfungen ein echter Wendepunkt sein können, was die Frage der höheren Impfquote betrifft», sagte sie. Denn gerade in dieser Altersgruppe sei die Inzidenz sehr hoch in Berlin. «Wenn über 200.000 Kinder geimpft werden können, würde das einen großen Unterschied machen», so Giffey. «Ich weiß, dass viele Kinder sich das wünschen, damit sie sich sicherer fühlen können. Sobald der Impfstoff da ist, muss so schnell wie möglich alles unternommen werden, um den Kindern diese Impfung zu ermöglichen, ihnen mehr Sicherheit, mehr Schutz zu geben.»

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte vor kurzem das Vakzin von Biontech als ersten Corona-Impfstoff für Fünf- bis Elfjährige zugelassen - mit einer niedrigeren Dosierung als für Erwachsene. Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Kinderimpfungen steht noch aus, ist aber in Aussicht gestellt. Am 13. Dezember soll der erste Impfstoff ausgeliefert werden. «Wenn der Impfstoff da ist, müssen wir alles daran setzen, dass die Kinder ihre Impfung auch bekommen», so Giffey.

Es gibt schon länger Hinweise darauf, dass die Stiko die Impfung zunächst nur für Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen und erkrankten Angehörigen ausdrücklich empfehlen könnte. Eine spätere Ausweitung auf alle Gruppen hatte es auch beim Impfen von 12- bis 17-Jährigen gegeben. Dies würde aber nicht bedeuten, dass die Impfung nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz des Kindes oder der Sorgeberechtigten nicht möglich ist, hatte die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin vergangene Woche nach der Zulassung des Mittels durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA betont.

Parallel sollte die Zahl der Impfstellen für Erwachsene aus Giffeys Sicht weiter ausgebaut werden. «Wir müssen die Wartezeiten reduzieren und auch da zu weiteren Angeboten kommen», so Giffey. «Ich finde es richtig, dass Impfungen nun auch in Apotheken angeboten werden sollen und dass auch Zahnarztpraxen dazukommen sollen», sagte die SPD-Politikerin. «Ich bin auch dafür, dass Veterinärmediziner, die ebenso eine medizinische Ausbildung dafür absolviert haben, impfen dürfen.»

In Berlin ist die Corona-Lage sehr angespannt, auch wenn die Inzidenz, also die Zahl der Infektionen je 100.000 Einwohner und Woche, mit zuletzt rund 360 (Stand Donnerstag) niedriger ist als in etlichen anderen Bundesländern. Bei den Kindern liegt der Wert weit über dem Landesdurchschnitt. Am Donnerstag gab die Gesundheitsverwaltung die Inzidenz in der Altersgruppe der fünf- bis neunjährigen Kinder mit rund 730 an. In der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen betrug sie rund 830.

© dpa-infocom GmbH

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