Koalition bringt Wechselunterricht in Schulen ins Gespräch

30.11.2021 Die vierte Welle der Corona-Pandemie sorgt in Brandenburg wieder für Engpässe in den Krankenhäusern. Im Landtag werden Rufe nach Konsequenzen für den Schulunterricht laut. Doch Bildungsministerin Ernst pocht auf den Präsenzunterricht.

Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die rot-schwarz-grüne Koalition im Brandenburger Landtag hält die Wiedereinführung des Wechselunterrichts an Schulen im Kampf gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie für sinnvoll. «Die oberste Priorität ist, dass die Schulen offen bleiben - da kann ein Wechselmodell eine Möglichkeit sein», sagte SPD-Fraktionschef Daniel Keller am Dienstag in Potsdam. Im vergangenen Jahr mussten die meisten Schülerinnen und Schüler wegen der Corona-Pandemie in den Distanz- oder auch in den Wechselunterricht. Für Ungeimpfte sollten weitere Einschränkungen möglich sein, sagte Keller.

Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Jan Redmann hält es für nötig, über schärfere Maßnahmen an Schulen zu reden, wo die Infektionszahlen hochschnellen. «Hier wird sicherlich auch der Wechselunterricht ein Thema sein» sagte er. Redmann hält generell auch Einschränkungen für Geimpfte etwa in Clubs für nötig.

Grünen-Fraktionschefin Petra Budke zeigte sich zurückhaltender mit Blick auf Wechselunterricht. «Wir legen großen Wert darauf, weiterhin Kitas und Schulen offenzuhalten und für größtmögliche Sicherheit zu sorgen», sagte sie. Das Wechselmodell «ist auf jeden Fall besser als ein kompletter Lockdown». Weitere Einschränkungen sehe die Grünen-Fraktion zunächst bei Ungeimpften.

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), die aktuell auch Präsidentin der Kultusministerkonferenz ist, will die Schulen aber so lange wie möglich komplett offen halten. «Heute muss aus meiner Sicht auch die Zahl der inzwischen geimpften Kinder und Jugendlichen berücksichtigt werden», sagte Ernst am Dienstag. Für die Kultusministerinnen und -minister der Länder habe die Ermöglichung von kontinuierlichem Präsenzunterricht an den Schulen weiterhin höchste Priorität. «Selbstverständlich ist dabei die Sicherheit des Schulbetriebs für Schülerinnen und Schüler und alle an Schulen Beschäftigten zu gewährleisten», schränkte Ernst ein.

Die AfD-Fraktion warf der Bildungsministerin nach der Aufhebung der Präsenzpflicht am Montag und dem Vorziehen des Beginns der Weihnachtsferien um drei Tage Chaos an Brandenburger Schulen vor. Der Parlamentarische Geschäftsführer Dennis Hohloch forderte, dass Ernst den Posten räumt und ersetzt wird. Wechselunterricht lehnte Hohloch ab, nötig sei Lernen in Präsenz.

Unterdessen will der Landkreis Dahme-Spreewald von Mittwoch an ein überregionales Impfzentrum am Flughafen Schönefeld in Betrieb nehmen. Dort könnten sich an zunächst drei Impfstraßen Bürger ab 30 Jahren mit dem Impfstoff von Moderna ohne Terminvergabe gegen das Coronavirus impfen lassen, teilte der Landkreis mit. «Wir sehen täglich, wie die Infektionszahlen steigen. Und wir beobachten die enorme Belastung im Gesundheitsbereich», sagte Landrat Stephan Loge (SPD). «Ich bitte Sie deshalb, nutzen Sie die Impfangebote Ihrer Ärzte und weitere Angebote im Landkreis.»

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums hat Brandenburg beim Impfen bereits deutlich zugelegt: Innerhalb der vergangenen Woche seien mehr als 119.000 Corona-Impfungen landesweit durchgeführt worden, etwa 90 Prozent davon in Arztpraxen. Zudem würden von Landkreisen, kreisfreien Städten und Kommunen aktuell 58 regionale Impfstellen betrieben. Neben Schönefeld seien auch in Cottbus und Potsdam sowie im Landkreis Barnim überregionale Impfzentren im Aufbau.

Der Anteil der Covid-19-Patientinnen und -Patienten in den Intensivbetten der Brandenburger Krankenhäuser hat den Alarmwert von 20 Prozent überschritten. Das geht aus Zahlen des Robert Koch-Instituts vom Dienstag hervor. Die Quote lag demnach bei 21,2 Prozent. Die Sieben-Tage-Inzidenz - der Wert neuer Ansteckungen je 100.000 Einwohner in einer Woche - legte auf 727,8 zu. Das ist im Ländervergleich der dritthöchste Wert nach Sachsen und Thüringen. Die Sieben-Tage-Inzidenz von 750 ist in sechs Kreisen sowie Frankfurt (Oder) und Cottbus überschritten - dort gelten schon oder kommen noch nächtliche Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte.

Aufgrund der dynamischen Corona-Infektionslage hat der Krisenstab des Potsdamer Krankenhauses Ernst von Bergmann beschlossen, die Bettenkapazitäten für die Covid-Versorgung aufzustocken. Die steigende Zahl von Covid-Patienten stelle die Klinik vor enorme Herausforderungen sagte Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt. «Denn jedes weitere Covid-Bett bedeutet weniger Behandlungsmöglichkeiten für «Normal-Patienten»», erläuterte er. Das bedeute auch, dass Patienten in weiter entfernte Krankenhäuser verlegt werden müssten.

© dpa-infocom GmbH

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