Adventsgeschäft läuft verhalten an

28.11.2021 Die Weihnachtsmärkte sind zu, schärfere Corona-Bestimmungen gelten. Das bekommt auch der Einzelhandel in Brandenburg zu spüren. Er hofft auf mehr Umsätze in den nächsten Wochen. Trotzdem sind viele Ausflügler unterwegs, die Orte für Adventsstimmung ausfindig machen.

Menschen gehen im Holländischen Viertel in Potsdam durch die Fußgängerzone. Foto: Christophe Gateau/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Weihnachtliche Vorfreude fehlt noch: Das erste Adventswochenende ist für das Geschäft im Einzelhandel nach Angaben des Branchenverbandes verhalten angelaufen. Teilweise lägen die Umsätze bislang zweistellig unter denen des Vorjahres, sagte Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen der Deutschen-Presse-Agentur nach einer ersten Umfrage unter Ladenbetreibern. Traditionell kauften die Kunden am ersten Samstag im Advent vor allem Dekoration und Süßigkeiten. In der Brandenburger Straße in Potsdam etwa waren eher wenige Menschen zu einem Einkaufsbummel unterwegs, wie ein dpa-Reporter berichtete. Auch mit dem Kauf von Weihnachtsbäumen warten die Kunden eher ab und nutzen die Baumbeschau eher für einen Ausflug als Ersatz für den fehlenden Bummel auf dem Weihnachtsmarkt.

Seit diesem Mittwoch gelten verschärfte Corona-Regeln - darunter ein Teil-Lockdown für Ungeimpfte. Die 2G-Regel wird auf den Einzelhandel ausgeweitet, Ausnahmen bilden die Supermärkte und andere Läden des notwendigen Bedarfs. Hintergrund sind steigende Infektionszahlen und die zunehmend schwierige Lage in den Krankenhäusern. Weihnachtsmärkte mussten wieder schließen oder wurden gar nicht erst geöffnet.

Der Handel hatte die Einführung der 2G-Regel im Brandenburger Einzelhandel mit einem Teil-Lockdown für Ungeimpfte scharf kritisiert. Er sieht große Probleme für Ladenbetreiber und Beschäftigte. Die Ladeninhaber blieben als «Hilfspolizei des Staates» auf den Kosten sitzen und müssten zudem die Konfrontationen mit Kunden aushalten, so Busch-Petersen. Bei 2G dürfen nur Geimpfte und Genesene eingelassen werden.

Er hoffe, dass das Geschäft noch anziehe. Allerdings seien die Innenstädte auch durch die Absage von Weihnachtsmärkten weniger besucht. «Wir vertrauen auf unsere Stammkunden, die über persönliche Mails eingeladen werden und uns die Treue halten», ergänzte der Vizepräsident des Handelsverbandes, Carlo Focke. Händler vor allem in den Regionen fernab der größeren Städte setzten darauf. Focke ist Geschäftsführer eines Modehauses in Neuruppin. «Die Kunden haben ihren Impfnachweis auf dem Handy im Anschlag.» Geschäfte in den Innenstädten könnten sich aber traditionell schwer gegen die großen Einkaufscenter behaupten.

Der Tannenhof in Werder (Potsdam-Mittelmark) war am Wochenende nach Angaben der Betreiber gut besucht. Allerdings seien viele Menschen eher für eine Bratwurst und einen Glühwein «to go» vorbeigekommen oder hätten im Hofladen Weihnachtsbaumkugeln gekauft, berichtete Inhaber Gerald Mai der dpa. Die Umsätze beim Tannenbaumverkauf lagen ihm zufolge etwa 20 Prozent unter denen des Vorjahres. Er habe mit vielen Kunden gesprochen, die erst einmal nur schauen wollten, weil im vergangenen Jahr der Weihnachtsbaumverkauf trotz Lockdown weiter erlaubt war. Stattdessen sei sein Tannenhof auch in diesem Jahr so etwas wie ein Ersatz für fehlende Weihnachtsmärkte, um wenigstens etwas in Adventsstimmung zu kommen, beschrieb Mai.

© dpa-infocom GmbH

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