Union feiert in Demut: Hertha ohne «Wirbelsäule»

21.11.2021 Die Vorherrschaft im Berliner Fußball ist geklärt. Der 1. FC Union ist im Derby dem Konkurrenten Hertha BSC überlegen und damit die Nummer eins der Stadt. Mehr als stille Freude ist für Trainer Urs Fischer aber nicht drin.

Herthas Marco Richter (l) und Union Berlins Timo Baumgartl kämpfen um den Ball. Foto: Andreas Gora/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit ernster Miene und schnellem Schritt verließ Fredi Bobic das Stadion An der Alten Försterei. Die Jubel-Chöre der Union-Fans verfolgten den Geschäftsführer von Hertha BSC hinein in die Berliner Nacht. «Stadtmeister» und «Berlins Nummer eins», da gibt es nichts dran zu deuteln, das ist der 1. FC Union. Als Fünfter in der Fußball-Bundesliga sind die Eisernen wieder auf Europacup-Kurs, auch wenn Trainer Urs Fischer und Kapitän Christopher Trimmel nach dem souverän herausgespielten 2:0 (2:0) in fast satirischer Beharrlichkeit weiter vom Klassenerhalt als einzigem Saisonziel reden.

Klassenerhalt, das wird wohl wie in der vergangenen Saison das zu realisierende Ziel für die Hertha sein. Sie liegt nach einem Saisondrittel auf Platz 13, drei Punkte vor dem Relegationsrang. Selten hat ein Fußballspiel genügt, um die lokalen Machtverhältnisse so klar zu dokumentieren, wie es das erste Berliner Derby mit Zuschauern in der Corona-Pandemie getan hat.

Union, das ist eine in sich gefestigte Mannschaft, mit System und Charakter, technisch zwar nicht ausgefeilt, aber gnadenlos effektiv. Die Hertha hingegen ist eine wankelmütige und unsichere Zusammenstellung von Spielern ohne erkennbare Ausrichtung und ohne Courage. Ein Derby ohne echte Torchance, da rebellierten sogar die eigenen Fans am Stadionzaun und warfen den als blaue Kämpfer eigentlich noch verehrten Kevin-Prince Boateng und Davie Selke die angebotenen Trikots wieder vor die Füße. Alles sei «richtig scheiße», so Boateng, das dürfe man ruhig mal sagen.

Union habe eine «Wirbelsäule», beschrieb Hertha-Trainer Pal Dardai recht anschaulich den Unterschied beider Teams. Dem Club-Urgestein bleibt als Übungsleiter schon wieder nichts anderes übrig, als auf eine Entwicklung zu setzen, die unter seiner Leitung einfach nicht erkennbar eintreten will. «Ich muss nicht viel rumlabern, sondern einfach dem Gegner gratulieren», sagte Dardai - auch wenn das natürlich «schmerze».

Und Union: Erstmal genießen, sagte Fischer nach dem ersten Derby-Sieg seit zwei Jahren durch die Tore von Taiwo Awoniyi (8. Minute) und Trimmel (30.). Und dann werde man sich eine Strategie für den Europacup-Auftritt bei Maccabi Haifa am Donnerstag überlegen.

Bislang mussten sich die Eisernen in dieser Saison in der Bundesliga nur Bayern München und Borussia Dortmund beugen. «Es gilt nach wie vor viel aufzuwenden, um sich zu belohnen, jeden Punkt musst du dir hart erarbeiten», sagte Fischer. Man tue gut daran, sich «seine Demut und Bescheidenheit» zu bewahren, betonte der Schweizer. Bobic und Dardai wussten sicherlich ziemlich genau, was er damit meinte.

© dpa-infocom GmbH

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