Corona breitet sich schnell aus: Warnung vor Klinikengpässen

06.11.2021 Eine weitere Welle der Pandemie hat die Hauptstadt erreicht, viele Menschen sind aber noch nicht geimpft. Das wird auch in den Krankenhäusern registriert.

Ein Intensivbett mit Beatmungseinheit steht auf einer Corona-Station. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das Corona-Virus breitet sich immer schneller in Berlin aus. Krankenhäuser stellen sich auf eine wachsende Zahl von Patienten ein. In den vergangenen sieben Tagen steckten sich rechnerisch 199,1 von 100.000 Menschen an, wie das Robert Koch-Institut am Samstag mitteilte. Der Wert hat sich damit in weniger als drei Wochen verdoppelt und liegt über dem bundesweiten Durchschnitt von 183,7. Die Impfquote steigt jedoch weiterhin nur langsam.

Mit 67,3 Prozent sind nach Senatsangaben etwa zwei Drittel der Berliner vollständig gegen die Seuche geimpft. Die Quote ist binnen eines Monats lediglich um 2,7 Prozentpunkte gestiegen, der Anteil der Erstimpfungen noch etwas langsamer.

Trotz Corona-Ausbrüchen in Alters- und Pflegeheimen sieht der Amtsarzt von Berlin-Reinickendorf die Wirksamkeit der Impfung im Alltag bestätigt. «Die Impfung wirkt, wir haben weniger Fälle als voriges Jahr. Sie erspart vielen Alten den vorzeitigen Tod», sagte Patrick Larscheid der Deutschen Presse-Agentur. In fast jedem Berliner Bezirk gebe es zwar derzeit Ausbrüche in der Pflege, aber im Unterschied zum Herbst und Winter 2020 erkrankten viele positiv Getestete gar nicht.

Der Anteil der Menschen über 60, die in Berlin bereits eine Auffrischimpfung gegen Corona erhalten haben, liegt nach Daten des Robert Koch-Instituts deutlich über dem Bundesschnitt.

11,5 Prozent der Intensivbetten in der Stadt sind nach Senatsangaben mit Covid-19-Patientinnen und -Patienen belegt. Die entsprechende Ampel im Warnsystem des Landes zeigt Gelb.

Die Charité kann ihre 3000 Betten nach Angaben des Klinikpersonalrats nicht voll auslasten. «Derzeit sind 2500 Betten belegt, wobei wir aktuell eher weniger Pflegepersonal haben als noch vor einem Jahr», sagte der Vorsitzende des Gremiums, Jörg Pawlowski, dem «Tagesspiegel» (Samstag).

«Hintergrund sind erschöpfte Kolleginnen und Kollegen, die wegen des Dauerstresses krank wurden oder den Job gewechselt haben.» Planbare Operationen müssten erneut verschoben werden, damit schwerstkranke Corona-Patienten behandelt werden könnten.

In den Vivantes-Kliniken wurden am Freitag insgesamt 97 Covid-19-Patientinnen und -Patienten stationär behandelt, 74 davon auf einer Normalstation, 23 intensivmedizinisch. Vivantes rechnet mit einem deutlichen Anstieg der Zahlen im weiteren Pandemie-Verlauf. Darauf seien die Kliniken vorbereitet, hieß es am Freitag. Das Unternehmen rief die Menschen aber auf, sich zum dritten Mal impfen zu lassen.

«Unsere Intensivstationen füllen sich in beängstigender Geschwindigkeit mit Covid-19-Patienten», sagte Charité-Personalrat Pawlowski. Derzeit würden 50 Männer und Frauen versorgt, auf dem Höhepunkt der Pandemie im vergangenen Winter seien es fast 160 gewesen. Es gebe aber auf einigen Stationen mehr Nicht-Covid-19-Fälle als üblich, etwa Herzklappen-Operationen, die wegen der Pandemie verschoben worden seien.

Pawlowski forderte klare Aussagen des Senats zur Verschiebung planbarer Operationen an dem landeseigenen Uni-Klinikum. Außerdem werde vom Bund Geld für bewusst nicht belegte Intensivbetten benötigt, sogenannte Freihaltepauschalen.

Seit Ausbruch der Pandemie haben sich nach den amtlichen Zahlen 231 036 Berlinerinnen und Berliner angesteckt. 3735 Menschen starben im Zusammenhang mit einer Infektion.

© dpa-infocom GmbH

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