Weiter hohe Zahl von Corona-Fällen in Brandenburg

05.11.2021 Die deutliche Zunahme der Coronainfektionen lässt auch die Zahl der Intensivpatienten wieder in die Höhe schnellen. Der starke Anstieg überrascht auch die Gesundheitsministerin. Für die Krankenhäuser fordert sie Hilfe vom Bund und will dafür eine gesetzliche Grundlage.

Eine Pflegekraft arbeitet in einem Krankenhaus auf der Intensivstation. Foto: Fabian Strauch/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Brandenburg steigt die Zahl der Corona-Fälle weiter deutlich an. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg von 159,2 am Donnerstag auf 179,6 am Freitag. Einen Höchststand meldete der Landkreis Elbe-Elster mit 476,8 Ansteckungen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen, wie das Gesundheitsministerium weiter mitteilte. «Dass die vierte Welle begonnen hat, haben wir schon Ende Juli gesagt. Aber dass die Zahlen in Brandenburg trotz der zweiwöchigen Herbstferien jetzt so stark ansteigen, ist auch für uns überraschend», erklärte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Freitag. «Das verdeutlicht den Ernst der Lage.»

Im ganzen Land stieg die Zahl der gemeldeten Infektionen am Freitag um 1067 Fälle, nachdem am Donnerstag 1303 neue Fälle registriert worden waren - und damit ein Höchststand seit Mitte Januar.

Die Kreise Spree-Neiße (256,6), Oberspreewald-Lausitz (230,6), die Stadt Cottbus (222,9), die Stadt Frankfurt (Oder)(212,2) und der Landkreis Teltow-Fläming (208,7) verzeichneten am Freitag einen Inzidenzwert über 200. Alle anderen Landkreise lagen deutlich über 100. Brandenburg an der Havel verzeichnete mit 91,6 die niedrigste Sieben-Tage-Inzidenz.

Nonnemacher wies auf diesen Wert als «Frühwarnsystem» hin. Der Anstieg der Zahl von Covid-19-Patienten, die stationär in Krankenhäusern versorgt werden müssen, folge zwei bis drei Wochen später. «Aktuell ist die Situation in den Kliniken noch handhabbar. Aber die Corona-Lage ist ernst, die Situation in den Krankenhäusern wird schwieriger.»

235 Menschen liegen mit einer Covid-19-Erkrankung in Kliniken, 48 von ihnen auf Intensivstationen. Mit Stand Donnerstag wurden 43 dieser Patienten beatmet. Die landesweite Sieben-Tage-Hospitalisierungsinzidenz beträgt 3,08. Der Wert gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner nach einer Corona-Infektion innerhalb von einer Woche ins Krankenhaus eingewiesen wurden. Landesweit sind 4,7 Prozent der verfügbaren Intensivbetten in Krankenhäusern mit Covid-19-Patienten belegt.

Wegen der steigenden Zahl von Covid-Patienten auf den Intensivstationen fordert Brandenburg Unterstützung vom Bund. «Die Krankenhäuser sind die Anker unserer Gesundheitsversorgung. Sie tragen eine entscheidende Last in dieser Pandemie», sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Gabriel Hesse. Wenn wieder Betten für die Versorgung von Covid-19-Patienten freigehalten werden müssten, sei dringend finanzielle Unterstützung vom Bund geboten.

Zuvor hatten sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern bei ihrer Konferenz in Lindau am Bodensee für finanzielle Ausgleichszahlungen an Krankenhäuser ausgesprochen, die wegen der Behandlung von Corona-Patienten planbare Eingriffe verschieben müssen. Diese Regelung solle rückwirkend zum 1. November gelten. Auch Brandenburg hatte die Ausgleichszahlung beantragt. Wie auch andere Bundesländer bittet das Land den Bund, umgehend eine gesetzliche Grundlage für Ausgleichs- oder Aufschlagszahlungen für alle stationär aufgenommenen Covid-19-Patienten rückwirkend zum 1. November 2021 zu schaffen.

Wegen der deutlich steigenden Corona-Infektionszahlen hat das Gesundheitsministerium den Austausch der Krankenhäuser untereinander intensiviert. Die regionalen Corona-Netzwerke der Krankenhäuser, die sich bereits in der Vergangenheit bewährt hätten, seien reaktiviert worden, erklärte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne).

Falls erforderlich, werde die Verlegung von Covid-Patienten, die intensivmedizinisch behandelt und beatmet werden müssen, wieder durch die Zentrale Koordinierungsstelle für Luftrettung (ZKS) gesteuert; in Zusammenarbeit mit den Regionalleitstellen und den Kliniken.

Vollständig geimpft im Land sind 60,9 Prozent der Bevölkerung. Damit liegt Brandenburg im Vergleich mit den anderen Bundesländern weiter auf dem vorletzten Rang, gleichauf mit Thüringen. Darüber hinaus haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) mit Stand Donnerstag insgesamt 52.478 Menschen eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Insgesamt wurden mittlerweile 2833 Impfdurchbrüche gemeldet. Berücksichtigt werden dabei Fälle, bei denen vollständig Geimpfte Symptome haben und ein PCR-Test positiv ist.

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