Bibliotheksverband weist Kritik an E-Book-Verleih zurück

18.10.2021 Der Deutsche Bibliotheksverband hat die über Zeitungsanzeigen formulierte Kritik von Autorinnen und Autoren sowie Verlagen am E-Book-Verleih zurückgewiesen. Mit der Kampagne «Fair Lesen» werde unterstellt, dass öffentliche Bibliotheken damit den E-Buch-Markt zerstörten. Der Appell beruhe auf Falsch- und Fehlinformationen, hieß es am Montag in Berlin von Seiten des Bibliotheksverbandes.

Eine Frau hält einen eBook-Reader in den Händen. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

«Für jedes E-Book, das eine Bibliothek verleihen möchte, muss sie eine Lizenz erwerben», schrieb der Verband. Wie bei gedruckten Büchern gelte dabei «eine Kopie, ein Ausleiher». Damit sei sichergestellt, dass ein E-Book zeitgleich nur von einer einzigen Person gelesen werden könne. Andere müssten sich auf eine Warteliste setzen lassen.

So könne ein E-Book bei Ausleihfristen von zwei bis drei Wochen höchstens 18- bis 26-mal im Jahr ausgeliehen werden. Bibliotheken zahlten zudem für die Lizenzen deutlich mehr und sie seien zeitlich befristet, auch um die Abnutzung von Büchern zu simulieren. 2018 liehen sich nach Angaben des Verbandes 1,9 Millionen Menschen E-Books in öffentlichen Bibliotheken aus. Im gleichen Jahr standen demnach 3,6 Millionen Käufe von E-Books gegenüber.

«Bibliotheken, deren Kernaufgabe es ist, Lesefreude zu wecken und Lesekompetenz zu fördern, nutzen dafür zeitgemäße Wege, bei denen auch digitale Medien eingesetzt werden», schrieb der Verband.

Autorinnen und Autoren wie Juli Zeh, Daniel Kehlmann, Sibylle Berg und Judith Hermann hatten gemeinsam mit Verlagen über die Anzeige auf ihre Rechte beim E-Book-Verleih hingewiesen. Derzeit haben Verlage die Freiheit, die Bedingungen für den Verleih neuer E-Books zu verhandeln. In der Anzeige hieß es: «Sollte die Entscheidungshoheit von Autoren, Autorinnen und Verlagen, welche Titel wann zu welchen Bedingungen in die digitale Leihe überführt werden, gesetzlich eingeschränkt werden, wird dadurch die wirtschaftliche Grundlage nicht nur der Urheberinnen, Urheber und Verlage, sondern auch der Buchhandlungen zerstört.»

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