Schmuck, der schlecht für Bäume ist: Misteln werden mehr

18.10.2021 Die Mistel ist als Schmuck zu Weihnachten beliebt, auch in der Medizin wird sie eingesetzt. Doch in der Natur schmarotzt sie und schadet den Bäumen. In Brandenburg wird sie häufiger gesichtet.

Misteln auf Bäumen. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ein küssendes Paar unter einem Mistelzweig zur Weihnachtszeit bedeutet nach altem Brauch ewige Liebe - für Bäume ist der grüngelbe Halbparasit aber eine Plage. Denn die Mistel schwächt viele Baumarten. Normalerweise setzt sie sich vor allem an Pappeln und Obstbäume. Doch in Brandenburg breitet sie sich weiter aus. «Wir haben mehr Meldungen, und wir sehen auch mehr Misteln, sowohl an Nadelholz als auch an Laubholz in den Wäldern», berichtet Waldschutzexpertin Karin Möller vom Landesbetrieb Forst in Eberswalde.

Die Mistel profitiere davon, dass es den Bäumen im Land immer schlechter gehe. Ein Baum müsse vital sein, um Schaderreger abzuwehren zu können. Je gestresster Bäume durch Dürre, Extremwetterlagen, Hagel oder Sturm seien, umso anfälliger seien sie. Abwehrmechanismen seien wegen Trockenperioden, mehr Schadstoffen sowie dem Befall unter anderem von Raupen, Pflanzenwespen und seit drei Jahren auch von Borkenkäfern geschwächt.

Laut Waldzustandsbericht 2020 des Umweltministeriums ist der Brandenburger Wald trotz einer leichten Erholung das dritte Jahr in Folge im «Dauerstress». Seit Beginn der gesamtdeutschen Waldzustandserhebung im Jahr 1991 wurde dem Ministerium zufolge sogar die höchste Absterberate von Bäumen beobachtet. «Mit dem Wassermangel und den sich durch Trockenheit stark vermehrenden Schaderregern ist der Klimawandel mitten im Brandenburger Wald angekommen», so Umweltminister Axel Vogel (Grüne).

Urte Delft, Diplom-Ingenieurin für Landschaftsnutzung und Naturschutz, berichtet von einer Verbreitung des Schmarotzers in der Prignitz, vor allem im Elbtal, aber auch im Osten und Süden Brandenburgs und nördlich von Potsdam. Vor allem ältere Apfelbäume seien anfällig, insgesamt sei Pflege notwendig. Die Mistel nehme sich die Nährstoffe und wachse über Jahre. Durch ihr Gewicht können Äste abbrechen, die Früchte werden kleiner. Wenn man gesunde Obstbäume wolle, müsse man die Misteln herausschneiden, weiß die Expertin.

Dass die Halbparasiten wiederkommen, sei aber wahrscheinlich, weil die Mistel tief in den Stamm wachse. «Es muss ein gesundes Gleichgewicht da sein.» Misteln hätten auch ihre Daseinsberechtigung.

Namen wie Drudenfuß oder Hexenbesen in alten Büchern lassen darauf schließen, dass die Mistel eine uralte Heilpflanze war. Heute gilt sie bei chronischen Krämpfen oder hysterischen Beschwerden als heilsam. Auch wird sie als krebsentgegenwirkend oder verhütend medizinisch angewendet.

Die Mistel betreibt zwar selbst Photosynthese, wandelt also Kohlendioxid (CO2) mit Hilfe der Sonne unter anderem in Sauerstoff um. Gleichzeitig schmarotzt sie aber auch und entzieht den Bäumen Wasser und Nährstoffe. Mit ihren Saugwurzeln arbeitet sich die Mistel in den Baum hinein und entzieht ihm Wasser und Nährstoffe. Vitale Bäume können Mistel-Sporen etwa mit Harz und ihrem gerbsäurehaltigen Stammsaft abwehren. Waldschutzexpertin Karin Möller nennt sie «sekundäre Inhaltsstoffe», die dazu führen, dass Nadeln oder Blätter beispielsweise schlecht schmecken. Trifft die Mistel allerdings auf schon geschwächte Bäume, kann sie der Expertin zufolge bedrohlich werden. Die Samen werden von Vögeln verbreitet. Sie wetzen den Samen am Ast ab oder scheiden ihn unverdaut aus.

Um Wälder vitaler zu machen, braucht ein Baum mehr Platz zum wachsen, schätzt Delft ein. Generell gehe es darum, Wälder resistenter gegen Schädlinge zu machen, auch mit mehr Baumarten. Das Land will nach eigenen Angaben den Waldumbau hin zu mehr Mischwald vorantreiben. «Gegen die Witterungsextreme können wir schwer was tun, wir können eben nur sehen, dass die Bäume möglichst besser damit umgehen können», so die Expertin.

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