«Stadt der Brückenbauer»: OB Wilke wirbt für Zentrum

03.10.2021 Die Bewerbungen für ein Transformations-Zentrum als Bundesprojekt laufen. Mitte nächsten Jahres soll klar sein, welche Stadt im Osten den Zuschlag erhält. Frankfurt (Oder) kämpft als Bewerber um die Ansiedlung. Das Stadtoberhaupt mobilisiert die Einwohner.

Rene Wilke, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder), spricht auf einer Pressekonferenz. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Es ist eine große Chance für Frankfurt (Oder) - die Ansiedlung eines Zentrums für Europäische Transformation und Deutsche Einheit. Die Stadt ist für Brandenburg im Rennen um das Bundesprojekt. Oberbürgermeister René Wilke (Linke) stellte zum Tag der Deutschen Einheit am Sonntag Bürgern im Kleistforum die Bewerbung für das Zentrum vor. Es solle ein Ort werden, der Menschen zusammenbringe, und die Gesellschaft wieder mehr zusammenrücke, so Wilke. Dafür sei die Stadt geeignet. «Wir haben gelernt, dass es besser ist, im Miteinander zu gestalten als im Gegeneinander». Bestes Beispiel sei die enge Zusammenarbeit mit dem polnischen Slubice als Doppelstadt. «Wir sind eine Stadt der Brückenbauer», betonte das Stadtoberhaupt.

Wilke sieht gute Chancen, dass das geplante Zentrum in der Stadt angesiedelt wird. Die Stadt erfülle alle 13 Kriterien, die von der Bundesregierung genannt worden seien. «Wir brauchen einen Ort, der die Menschen zusammenbringt (...) und wo wir auf Augenhöhe respektvoll miteinander diskutieren (...), einen Ort, der gemeinsame Empfindungen auslöst», sagte er zum geplanten Zentrum. Es solle auch ein Ort sein, der die Lebensleistungen der Menschen im Osten Deutschlands würdige. Die Bevölkerung rief er bei der Veranstaltung auf, die Bewerbung zu unterstützen. «Die Bewerbung funktioniert nur, wenn wir das als Stadtgesellschaft machen.»

Im Inforadio des rbb hatte Wilke am Samstag gesagt, Frankfurt (Oder) sei ein europäischer Ort und habe sich mit «schmerzhaften» Transformationserfahrungen etwa einem Bevölkerungsrückgang nach der Wende wieder «aufgerappelt». «Heute sind wir in einer anderen Phase», schätzte er ein. Die Universität Viadrina entwickle sich «toll», es gebe viele Investitionen und Baugeschehen, die Bevölkerungszahl stabilisiere sich. «Ich glaube schon, dass wir sehr, sehr gut passen(...).» Für die Region wäre es zudem ein enorm wichtiger Impuls, auch für die Strukturentwicklung.

«Frankfurt (Oder) hat meine Stimme», sagte Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) zur Bewerbung. Die Stadt habe eine wechselvolle Geschichte. «Diese Stadt ist wie kaum eine andere (...) gebeutelt worden und hat Transformation und die Folgen der Deutschen Einheit gespürt - demografisch, aber vor allem auch wirtschaftlich.» Die Stadt habe sich neu erfunden und sei von alleine wieder aufgestanden. Deshalb sei Frankfurt (Oder) die beste Empfehlung, die Deutschland bekommen könne, so Schüle.

Der Standort für das Transformationszentrum werde in einem Wettbewerb ermittelt und müsse nicht zentral gelegen, aber für internationale Gäste gut erreichbar sein, hatte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), gesagt. Der Bau des Zentrums zur Erforschung gesellschaftlicher Umbrüche soll nach Angaben von Brandenburgs ehemaligem Ministerpräsidenten Matthias Platzeck bis 2027 fertig sein. Platzeck und Wanderwitz sind Vorsitzende einer Arbeitsgruppe, die ein Konzept für das Zentrum entwickelt hat. Die Entscheidung für den Standort soll nach Worten von Wilke bis Mitte nächsten Jahres getroffen sein.

Die bis jetzt bekannt gegebenen Wettbewerbsbedingungen sehen unter anderem vor, dass der Standort des Zukunftszentrums im Osten der Republik zu liegen hat und deutliche Bezüge zu den Themen Transformation und Deutsche Einheit nachweisen kann. Zudem soll die Anbindung an eine wissenschaftliche Einrichtung mit entsprechendem Profil sowie eine gute Erreichbarkeit auch für internationale Gäste gegeben sein. Die Ansiedlung des Zukunftszentrums soll überdies einen signifikanten strukturellen und wirtschaftlichen Impuls geben.

Außerdem soll ein angemessenes bestehendes Gebäude oder eine freie Fläche baufrei übergeben werden können, so dass einer baulichen Fertigstellung der Einrichtung bis 2027 nichts im Wege steht. Der Bund will 200 Millionen Euro in das Zentrum investieren. 180 Arbeitsplätze sollen entstehen.

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