Rezeptbetrug mit 300.000 Euro: Angeklagte gestehen teilweise

29.09.2021 Nach einer Betrugsserie mit gefälschten Rezepten hat am Amtsgericht Berlin-Tiergarten der Prozess gegen zwei Frauen und einen Mann begonnen. Die 69-jährige Hauptangeklagte, die sich für knapp 140 Fälle mit einem Schaden von mehr als 300.000 Euro verantworten muss, gab die Vorwürfe zu Prozessbeginn am Mittwoch teilweise zu. Sie habe Arztrezepte, von denen sie wusste, dass sie gefälscht waren, in Apotheken vorgelegt, gestand die Frau. Sie habe jedoch keine der Verordnungen selbst verändert. «Treibende Kraft waren Apotheker», erklärte ihr Verteidiger.

Eine Statue der Justitia steht unter freiem Himmel. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die 69-Jährigen muss sich wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung und gewerbsmäßigen Betrugs verantworten. Sie soll von Ärzten ausgestellte Verordnungen verfälscht haben, indem sie Medikamente hinzufügt oder die Anzahl verschriebener Arzneien erhöht habe. Die Fälschungen habe sie in Apotheken eingelöst. Apotheker hätten die Rezepte in Unkenntnis des Betrugs bei Krankenkassen eingereicht. Den 61- und 77-jährigen Mitangeklagten wird Beihilfe vorgeworfen. Sie sollen der 69-Jährigen in mehreren Fällen echte Rezepte zur Verfügung gestellt haben. Sie hätten jeweils 100 Euro erhalten.

Die 69-Jährige sagte, durch einen Bekannten ihres inzwischen verstorbenen Ehemannes sei sie in den Schwindel vor rund sechs Jahren verstrickt worden. Sie sei zu drei bestimmten Apotheken in Berlin geschickt worden. «Wenn mein Mann und ich Rezepte brachten, bekamen wir dafür mal Cremes oder mal 150 Euro», so die Angeklagte. Medikamente hätten sie nicht erhalten. Die Ärzte, die ihnen Verordnungen ausgestellt hatten, seien nicht eingeweiht gewesen. Der Verteidiger sagte, seine Mandantin sei «von anderen Menschen ausgenutzt worden».

Die 61-jährige Angeklagte gab zu, der 69-Jährigen einige Rezepte überlassen zu haben. Was damit geschah, habe sie nicht gewusst. Der 77-Jährige erklärte, er habe sich nicht vorsätzlich an einem Betrug beteiligt. Der Prozess wird am 20. Oktober fortgesetzt.

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