Brandenburgs Hochschulen wollen das Campusleben reaktivieren

18.09.2021 Geschlossene Mensen, keine Präsenzveranstaltungen, kein Hochschulsport - Corona hat das Campusleben an vielen Hochschulen in Brandenburg ausgebremst. Zum Wintersemester soll es aber langsam wieder hochgefahren werden. Dafür gibt es gezielte Initiativen.

Vor der Europa-Universität Viadrina wehen Fahnen zum 30-jährigen Jubiläum der Viadrina im Wind. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Brandenburger Hochschulen wollen nach den Beschränkungen in der Corona-Pandemie das Campusleben reaktivieren. «Den Campusbetrieb mussten wir zeitweise auf das Nötigste zurückschrauben und hatten mit dem Lockdown natürlich auch einen Einbruch des Campuslebens», berichtete der Sprecher der Technischen Hochschule Wildau, Mike Lange. Mensa, Studentenclub, Sportangebote, Tutorien, Chor, Orchester - all das habe die Hochschule in Lockdown-Zeiten nicht anbieten können.

Mit digitalen Möglichkeiten versuchte die Hochschule, Angebote bis hin zu Online-Sportkursen teils anders zu gestalten. «Die Studierenden hatten aufgrund des überwiegenden Online-Lernens natürlich einen Wegfall fast aller sozialen Kontakte.» Ab Oktober strebe die Hochschule einen Mix mit 50 Prozent Präsenzveranstaltungen an. Vor allem der Labor- und Übungsbetrieb sei maßgeblich mit Praxis und Präsenz verbunden.

Auch an anderen Hochschulen soll es ein «Hybrid-Semester» aus Online- und Präsenzlehre geben. «Wir unternehmen Vorkehrungen wie die 3G-Regel, die für Lehrveranstaltungen gilt», sagte Frauke Adesiyan, Sprecherin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Auch arbeite die Viadrina an Raumbelegungen, die möglichst viel Präsenzlehre unter den vorgegebenen Abstands- und Hygienevorgaben ermöglichten.

Um das Leben auf dem Campus wieder in Gang zu bringen, aber auch die Studenten wieder zu motivieren, haben einige Hochschulen Initiativen gestartet. So gibt es in Wildau mit dem Start des Wintersemesters eine Welcome (Back)-Initiative. Dabei sollen alte Netzwerke reaktiviert werden und neue entstehen. Neben Einführungsveranstaltungen soll es auch eine Fahrradtour von Grünau nach Wildau mit Frühstück auf dem Campus geben.

In der Europa-Universität gibt es die Initiative «Welcome back @ Viadrina». Sie beinhaltet Einführungstage für alle Studiengänge, Angebote des Zentrums für Lehre und Lernen, ein Tutorienprogramm und weitere Maßnahmen, um ein Ankommen im Präsenz-Studium zu erleichtern - nach der Erfahrung mit Corona. «Viele Studierende aus dem Ausland konnten nicht anreisen und haben von ihren Heimatländern aus an den Vorlesungen und Seminaren teilgenommen», sagte Adesiyan. Auch deutsche Studierende seien vielfach wieder in ihre Heimat gefahren - auch aus finanziellen Gründen.

In der Medizinischen Hochschule Theodor Fontane in Neuruppin konnte sich noch kein breites Campusleben entwickeln und nicht wegbrechen, weil die Hochschule sehr jung ist. «Wir sind aber sehr schnell auf digitale Lehre umgeschwenkt», sagte Sprecher Eric Hoffmann. Für das Wintersemester wolle die Hochschule zur Präsenzlehre zurückkehren und das «Beste aus digitalen und analogen Veranstaltungen» anbieten. Dabei gelte eine Art «Zweieinhalb G-Regel». Sind nur Geimpfte und Genesene im Seminar, entfällt die Maskenpflicht, kommt ein Getesteter hinzu, gilt wieder Mund-Nasen-Schutz.

Gelitten hat in der Corona-Krise nicht nur das Campusleben, auch Angebote der Studentenwerke brachen weg. «Der Bereich der Kulturförderung beschränkte sich auf einige digitale Angebote und die wirtschaftliche Unterstützung der Studierendenklubs», sagte der Sprecher des Studentenwerks Frankfurt (Oder), Andreas Gaber. Die Mensen seien eingeschränkt geöffnet. Dort sei ein gravierender Umsatzrückgang zu verzeichnen. «Unsere Wohnanlagen sind derzeit nur in Eberswalde ausgebucht. An den anderen Standorten bestehen freie Kapazitäten», sagte der Sprecher.

Weniger Probleme hat das Studentenwerk Potsdam, wo Wohnheimplätze nach wie vor stark nachgefragt seien. Nach Angaben von Sprecherin Julia Sammler gibt es bereits 3137 Bewerbungen dafür. «Die Frage nach verfügbaren Wohnheimplätzen erreicht uns regelmäßig. Bis Mitte November sind erfahrungsgemäß alle Wohnplätze vergeben», sagte die Studentenwerkssprecherin.

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