Geldtransporter-Überfall: Sieben Jahre Haft

08.09.2021 Als Müllmänner getarnte Räuber greifen am helllichten Tag auf dem belebten Ku’damm einen Geldtransporter an. Sie entkommen mit hoher Beute. Von fünf Tätern fasst die Polizei einen - er ist nun verurteilt.

Handschellen sind an einem Gürtel eines Justizvollzugsbeamten befestigt. Foto: Frank Molter/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Überfall auf einen Geldtransporter auf dem Berliner Kurfürstendamm mit rund 650 000 Euro Beute war aus Sicht der Richter «ein Lehrstück der Schwerstkriminalität». Sieben Jahre Gefängnis hat das Landgericht der Hauptstadt am Mittwoch gegen einen der Täter verhängt. Der 31-Jährige, der aus einem bekannten arabischstämmigen Clan stammt, wurde des besonders schweren Raubes und der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen. Zudem wurde wegen Drogensucht die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

Die Richter entschieden außerdem auf Einziehung von Wertersatz in Höhe der Beute. Die Tat sei professionell geplant und durchgeführt worden - «am helllichten Tag, auf offener Straße, exponiert auf dem Ku’damm», sagte der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte sei einer von fünf Männern gewesen, die sich am frühen Vormittag des 19. Februar 2021 in einem silberfarbenen Auto zum Kurfürstendamm begeben hätten. «Sie haben den passenden Augenblick abgepasst.» Zwei Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma seien malträtiert worden.

Die Räuber waren maskiert und trugen orangefarbene Müllmann-Kleidung, als sie vor einer Bankfiliale einen Geldtransporter einer Sicherheitsfirma angriffen. Blitzartig seien vier der Männer auf die Geldtransporteure zugegangen - «mit Schreckschusspistolen bewaffnet», hieß es weiter im Urteil. Der Angeklagte habe zudem Pfefferspray eingesetzt. 15 Geldkassetten wurden erbeutet. Vier der Täter sind bislang noch nicht ermittelt.

Der vorbestrafte Angeklagte hatte gestanden. Nur zwei Wochen nach einer Verurteilung und einer Haftentlassung habe er sich an dem Überfall beteiligt, erklärte der 31-Jährige. Grund seien hohe Schulden gewesen, die er durch Drogensucht angehäuft habe. Ein Bekannter habe ihn überredet und als Mittäter angeheuert.

Vor dem Überfall habe er Alkohol und Kokain konsumiert. Was geschehen ist, tue ihm leid, so der dreifache Vater. Nach eigener Aussage erhielt er aus der Beute 70 000 Euro. Bis zu seiner Festnahme einen Monat nach der Tat habe er seinen Lebenswandel mit Konsum von Kokain und Alkohol fortgesetzt.

Auf seine Spur kamen die Ermittler durch sichergestellte DNA am Pullover eines Opfers. In seinem Geständnis hatte der Angeklagte erklärt, er habe sich bei dem Überfall mehrfach an die Nase gefasst, die wegen seines Kokainkonsums gelaufen sei. Dabei habe er wohl Spuren auf der Kleidung eines Geldtransporteurs hinterlassen. Er bat um die Möglichkeit einer Drogentherapie während der Haftzeit.

Das Gericht folgte einer psychiatrischen Gutachterin und ordnete gegen den 31-Jährigen die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nach Verbüßung eines Teils der verhängten Strafe an. Therapiedauer sei voraussichtlich zwei Jahre, hatte die Sachverständige erklärt.

Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten zu Beginn des Prozesses vor einer Woche eine Verständigung erzielt. Im Fall eines Geständnisses wurde dem Angeklagten eine Strafe zwischen sechseinhalb und siebeneinhalb Jahren Haft zugesichert.

«Ich bedanke mich, dass ich die Chance bekomme, mich zu bessern», rief der Angeklagte nach der Urteilsverkündung. Einigen Verwandten, die als Zuhörer mit im Gerichtssaal saßen, warf er eine Kusshand zu.

Einer seiner Brüder befindet sich derzeit in Sachsen in Untersuchungshaft. Dieser Mann gehört zu sechs bisher Verdächtigen im Fall des spektakulären Juwelendiebstahls aus dem Historischen Grünen Gewölbe Dresden. Bei dem Einbruch in das Schatzkammermuseum am 25. November 2019 hatten die Täter historische Schmuckstücke aus Diamanten und Brillanten des 17. und 18. Jahrhunderts von kaum schätzbarem Wert erbeutet. Von der Beute fehlt noch immer jede Spur.

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