Trotz Verhandlungen mit Kliniken: Verdi will streiken

07.09.2021 Der Vivantes-Konzern sieht keine Notwendigkeit für einen Streik und hofft, diesen noch abwenden zu können. Die Gewerkschaft Verdi hält dennoch an ihren Plänen fest.

Zahlreiche Pflegekräfte und andere Beschäftigte streiken. Foto: Jörg Carstensen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Gewerkschaft Verdi will trotz Verhandlungen an den Streikplänen für die landeseigenen Berliner Krankenhäuser Vivantes und Charité festhalten. «Es ist nicht ungewöhnlich, dass man auch unter Streikbedingungen verhandelt», sagte Verhandlungsführerin Meike Jäger am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Am Mittwoch sind weitere Gespräche mit Vivantes geplant. 

Der Konzern hofft unterdessen, einen Streik noch abwenden zu können. Sie gehe davon aus, dass Vivantes in einen guten Arbeitsprozess mit Verdi komme. «Insofern sehe ich gar keine Notwendigkeit für Streiks», sagte Dorothea Schmidt, Geschäftsführerin Personalmanagement, am Dienstag im RBB-Inforadio. 

Im Falle eines Streiks will der Konzern weitere Tarifverhandlungen aussetzen, hatte eine Sprecherin am Montag angekündigt. Ein vertrauensvolles Gespräch setze voraus, dass parallel kein Streik stattfinde. «Tarifergebnisse erzielt man nur am Verhandlungstisch und nicht auf der Straße», sagte sie. Auch die Charité wolle im Falle eines Streiks nicht weiter verhandeln, sagte ein Sprecher am Dienstag. 

Im Tarifstreit mit der Gewerkschaft hat der Krankenhauskonzern  Vivantes am Montag ein Modell vorgestellt, mit dem Belastungen für Pfleger reduziert werden sollen. Es sieht vor, dass der Leistungsumfang der Krankenhäuser sich nach dem vorhandenen Personal richtet. «Wir wollen, dass Belastung gar nicht erst entsteht», erläuterte Schmidt. «Wenn man feststellt, man hat nicht genug Personal, muss man im Zweifel darüber nachdenken, dass man weniger Leistung erbringt oder die Leistung anders erbringt», so Schmidt. «Wir müssen ja ohnehin viel mehr in den ambulanten Sektor kommen.» 

«Die Frage ist: Wie lange kann man das als Unternehmen durchhalten? Wie stark beeinflusst das die Patientenzahlen, die Bettenzahlen und die Auslastung?», gab Meike Jäger zu Bedenken. Verdi müsse den Vorschlag erst noch bewerten und sehen, ob er umsetzbar ist. «Wir haben kein Interesse daran, dass Vivantes dauerhaft Schaden nimmt und wollen auch nicht dafür verantwortlich gemacht werden», betonte Jäger. 

Die Charité habe Verdi bereits ein umfangreiches Angebote vorgelegt und dieses auch immer wieder nachgebessert, sagte ein Sprecher.  Details nannte er nicht. «Wir waren die ganze Zeit in Verhandlungen», so der Sprecher. Derzeit stagnierten diese aber. Die Charité sei jederzeit verhandlungsbereit. 

Am Montag hatte Verdi nach Urabstimmungen angekündigt, dass voraussichtlich ab Donnerstag in den landeseigenen Krankenhäusern Vivantes und Charité gestreikt werden soll. Die Gewerkschaft kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Bezahlung der Beschäftigten in Tochterfirmen.

Am Mittwoch sind weitere Gespräche mit Vivantes-Vertretern geplant. Für Mitarbeiter der Tochtergesellschaften erwarte Verdi bis Donnerstag ein Angebot der Geschäftsführung, sagte Verhandlungsführer Ivo Garbe. Es sei ein großer Erfolg, dass wieder mit dem Arbeitgeber verhandelt werde. 

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