Mann aus Rache niedergeschossen? 22-Jähriger schweigt

07.09.2021 Männer aus verwandten Familien geraten in einem Friseursalon aneinander. Einige Stunden später fallen vor einem Spätkauf Schüsse - aus Sicht der Ermittler aus Rache. Nun steht ein Mann vor Gericht.

Eine Statue der Justitia mit einer Waage und einem Schwert in ihren Händen. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Weil er sich nicht respektvoll genug gegrüßt gefühlt habe, soll ein 22-Jähriger mit Komplizen beinahe tödliche Rache genommen haben: Rund neun Monate nach Schüssen auf einen Mann in Berlin-Kreuzberg hat am Landgericht der Hauptstadt der Prozess wegen gemeinschaftlichen versuchten Mordes begonnen. Die Verteidiger erklärten am Dienstag nach Verlesung der Anklage, ihr Mandant werde sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern.

Der deutsche Angeklagte aus einer libanesischstämmigen Familie soll nach einem Familienstreit mit zwei Mittätern versucht haben, einen 29-Jährigen zu töten. Vor einem Spätkauf hätten die beiden bislang unbekannten Komplizen laut Anklage das Feuer eröffnet und das Opfer lebensgefährlich verletzt.

Die Familie des angeschossenen Mannes soll mit der des Angeklagten über eine Tante verschwägert sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Tatplanung «maßgeblich» von dem 22-Jährigen ausgegangen sei.

Den Schüssen am Abend des 27. November sei eine Auseinandersetzung in einem Friseursalon gegen Mittag vorausgegangen. Ein Angehöriger der Familie des späteren Opfers habe «dem lebensälteren Angeklagten nicht zuerst den der Tageszeit entsprechenden Gruß entboten», heißt es in der Anklage. Der 22-Jährige, der «zu äußerstem Zorn gereizt» gewesen sei, habe sich für die erlittene Schmach rächen wollen. Die Staatsanwaltschaft geht vom Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe aus.

In der Tatnacht soll der 22-Jährige mit zwei Mittätern durch den Stadtteil Kreuzberg gefahren sein. Laut Anklage habe er wahllos ein Mitglied der anderen Familie gesucht. Als sie vor einem Spätkauf den 29-Jährigen sahen, seien die beiden mutmaßlichen Komplizen ausgestiegen und hätten das Feuer eröffnet. Die Schützen hätten dann im Glauben, den Mann tödlich verletzt zu haben, die Flucht ergriffen - «wobei das Fluchtauto wie geplant durch den Angeklagten geführt wurde», so der Staatsanwalt.

Der damals 29-Jährige sei durch mehrere Kugeln getroffen worden. Sein Leben habe nur durch eine Notoperation gerettet werden können, so die Anklage.

Der nicht vorbestrafte 22-Jährige befindet sich seit sieben Monaten in Untersuchungshaft. Die Polizei hatte nach den Schüssen auch Verbindungen ins Clan-Milieu geprüft. Der Staatsanwalt sagte am Rande der Verhandlung, er gehe von Familienstreitigkeiten aus. Für den Prozess sind 25 weitere Tage bis Anfang Dezember vorgesehen.

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