Kritik an Verzicht auf Kontaktverfolgung in Schulen

30.08.2021 Berlins Amtsärzte wollen Kinder nicht mehr in Quarantäne schicken, wenn sie Kontakt mit einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten. Doch dagegen gibt es Protest.

Tom Erdmann, GEW-Vorsitzender des Landes Berlin. Foto: Britta Pedersen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Entscheidung der Berliner Amtsärzte, auf die Kontaktverfolgung bei Corona-Fällen in Kitas und Schulen zu verzichten, hat für Kritik gesorgt. Danach sollen Kinder und Jugendliche mit engem Kontakt zu einer mit Corona infizierten Person in Kita oder Schule nicht mehr in Quarantäne geschickt werden. «Die neue Regelung sorgt für große Verunsicherung in der Kita- und Schulgemeinschaft», sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin, Tom Erdmann, am Montag. Berlin entferne sich damit von den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts und beschreite einen Sonderweg, der nur schwer nachzuvollziehen sei.

«Die Quarantäne-Vorgaben aufzuheben, ohne den Kitas und Schulen andere Möglichkeiten zum Schutz an die Hand zu geben, ist unverantwortlich», sagte Erdmann. Die Gesundheitsämter wollen künftig nur noch Kinder und Jugendliche mit einem positiven PCR-Test in eine 14-tägige Quarantäne schicken. Kontaktpersonen außerhalb der engsten Familie würden dann nicht mehr ermittelt. Mit der neuen Strategie sind nur noch ungeimpfte Eltern und Geschwister von der 14-tägigen Quarantäne mitbetroffen. Für Sitznachbarn in der Schule gilt das dann zum Beispiel nicht mehr, sofern die Schutzmaßnahmen eingehalten wurden.

Auch der Landeselternausschuss Kindertagesstätten Berlin übt Kritik an der Entscheidung: «Wenn es keine Quarantäneverpflichtung gibt, befeuert dies nicht nur die Ansteckung unter den Kindern, sondern auch potenzielle Impfdurchbrüche sowie unabsehbare Risiken für
chronisch kranke Menschen», hieß es in einer Mitteilung.

Außerdem sei zu bedenken, dass bei steigender Fallzahl unter Kindern auch die Zahl der schweren Verläufe steige. Die Elternvertreter forderten den Senat auf, umgehend regelmäßige PCR-Pool-Testungen in den Berliner Kitas einzuführen. Dabei werden die Proben aller Kinder zusammen mit nur einem PCR-Test ausgewertet. Ist ein Pool-Test positiv,
werden alle Kinder einzeln nachgetestet.

An der Entscheidung der Amtsärzte hatte es am Wochenende bereits Kritik gegeben, unter anderem von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci. Die SPD-Politikerin forderte, Schülerinnen und Schüler, die sich besonders nahe sind, müssten weiterhin in die Absonderung. Am Sonntag wurden Überlegungen bekannt, die Quarantäne für Kontaktpersonen von 14 auf 5 Tage zu verkürzen. Aus Senatskreisen hieß es, eine entsprechende Beschlussvorlage für die Senatssitzung am Dienstag sei in Arbeit.

Neuköllns Amtsarzt Nicolai Savaskan wies den Vorwurf am Sonntag zurück, ihm und seinen Kollegen gehe es in erster Linie um eine Entlastung der Gesundheitsämter. Der Kurswechsel sei wissenschaftlich geboten.

© dpa-infocom GmbH

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