Berlin: Mehr Digitalisierung und ein Schulportal für alle

11.08.2021 Berlins Bildungssenatorin will, dass es bei der Digitalisierung der Schulen vorangeht. Fest geplant ist ein neues zentrales Schulportal. Es soll vieles bündeln, was es schon gibt, aber nicht nur das.

Sandra Scheeres (SPD), Bildungssenatorin von Berlin. Foto: Jörg Carstensen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin soll ein zentrales Schulportal bekommen. Es ist für Schulen, Schulaufsicht, Schulträger, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern gedacht, wie Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch bei der Vorstellung der «Digitalisierungsstrategie Schule» sagte, die die Bildungsverwaltung in einer mehr als 40-seitigen Broschüre zusammengefasst hat. Das Portal unter www.schulportal.de soll das zentrale Mittel für die Digitalisierung der Schulen sein.

An der digitalen Ausstattung Berliner Schulen hat es schon viel Kritik gegeben. Gerade in der Corona-Pandemie, als während der Schulschließungen digitaler Unterricht unverzichtbar war, traten die Schwachstellen schnell zu Tage. Viele Lehrkräfte waren überfordert, die zentrale Plattform Lernraum brachte Eltern und Schüler zumindest an einzelnen Tagen zur Verzweiflung. Manche Kinder und Jugendliche hatten gar nicht die Möglichkeit, ins Internet zu gehen.

Das neue Schulportal wird laut Scheeres viele verschiedene Angebote bündeln, etwa die dienstlichen E-Mails für Lehrkräfte zum Beispiel. Auch von Pädagogen entwickelte Lehrmaterialien sollen dort zu finden sein, beispielsweise Lernprogramme für Mathematik und Fremdsprachen, das Videokonferenzsystem Big Blue Button und ein sogenanntes digitales Assessment-Center, mit dem Lernstandserhebungen online durchgeführt und ausgewertet werden können.

Die derzeit zentrale Plattform für digitalen Unterricht in Berlin, der sogenannte Lernraum, ist bereits Bestandteil des neuen Portals. Auch die Lernplattform itslearning, mit der viele Berliner Schulen arbeiten, hat dort ihren Platz.

Die gesamte Digitalisierungsstrategie Schule soll Scheeres zufolge bis 2025 umgesetzt sein. Sie nannte dabei zwei Hauptziele: Eine verlässliche digitale Infrastruktur für die Schulen und die Förderung digitaler Kompetenzen beim pädagogischen Personal und den Schülern. Dazu zählt für sie auch die Verpflichtung, sich entsprechend fortzubilden.

Die Pläne für solche Schritte sind älter als die Corona-Pandemie. Die Erfahrungen in dieser Zeit hätten der Digitalisierung aber noch einmal einen Schub gegeben, sagte die Senatorin. Zusätzliche IT-Kompetenz komme im Übrigen auch über manche Quereinsteiger, die vorher an Hochschulen oder bei IT-Unternehmen gearbeitet hätten, in die Schulen.

Der Präsident der Technischen Universität und Sprecher des Landesbeirats Digitalisierung, Christian Thomsen, bescheinigte erste Fortschritte. Viele andere Länder seien mit Blick auf digitalen Unterricht bereits weiter gewesen. «Deutschland hat erst mit der Pandemie intensiv damit begonnen», sagte Thomsen. «Das hat das Land Berlin aber gut gemacht, wenn auch mit technischen Schwierigkeiten an der ein oder anderen Stelle.»

Der Professor lobte unter anderem die einheitlichen E-Mail-Adressen für Berliner Lehrkräfte und nicht zuletzt auch die Absicht, Serviceangebote und Technikberatung an den Schulen auszubauen, damit Lehrerinnen und Lehrer bei Problemen mit Routern, Rechnern und Breitbandzugängen nicht alleine gelassen werden.

Scheeres räumte ein, dass noch viel zu tun sei, es sei aber auch schon viel passiert. Dazu zählen für sie die 51.000 Tablets, die während der Corona-Pandemie an Schülerinnen und Schüler ausgegeben wurden. Das soll es aber noch nicht gewesen sein: Laut der SPD-Politikerin sollen alle Berliner Schülerinnen und Schüler in den nächsten fünf Jahren mit einem digitalen Endgerät ausgestattet werden.

Dirk Stettner, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, warf der Bildungssenatorin vor, erst 18 Monate nach Beginn der Pandemie und geschlossener Schulen darüber nachzudenken, wie digitales Lehren und Lernen funktionieren könnte. Stettner bemängelte außerdem fehlende konkrete Zeitvorgaben für bestimmte Ziele. «Wir fordern vom rot-rot-grünen Senat weniger schöne Worte und lange Texte, sondern Umsetzung.»

Der Bildungsexperte der FDP-Fraktion, Paul Fresdorf, sagte, eine «Digitalisierungsstrategie Schule» aufzusetzen, sei ein enorm wichtiger Schritt. Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonal und Eltern seien mehr denn je auf eine reibungslose Digitalisierung angewiesen. «Es ist zu hoffen, dass es hier nicht nur bei Lippenbekenntnissen bleibt.»

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