Weniger neue Corona-Impfungen: Debatte über Einschränkungen

09.08.2021 Erst ging das Impfen schleppend, weil nicht genug Impfstoff da war. Nun ist genug Vakzin vorhanden, doch das Impftempo bei den Bürgerinnen und Bürger hat abgenommen. Im Landtag wird über Konsequenzen für Impfunwillige diskutiert.

Eine Spritze wird vor den Schriftzug «Impfung» gehalten. Foto: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Bereitschaft der Brandenburgerinnen und Brandenburger zu einer Corona-Schutzimpfung ist im Vergleich zu den Vormonaten zurückgegangen. Am Montag stieg die Zahl der Impfungen um 13 845 im Vergleich zum Freitag, während es einen Monat zuvor noch 21 633 Impfungen mehr als am Vortag waren. Am vergangenen Freitag betrug die Zunahme gegenüber dem Donnerstag 12 208.

Vor zwei Monaten hatte die Zahl um 36 901 im Vergleich zum Vortag zugelegt, wie aus Zahlen der Landesregierung hervorgeht. Allerdings war die Zahl neuer Impfungen am vergangenen Dienstag noch niedriger als am Montag, nämlich bei 8718 - seitdem liegt sie bei jeweils über 12 000.

Neben einer Impfkampagne wollen die Landesregierung und die Kassenärztliche Vereinigung (KVBB) auch mit einer Sonderaktion von Arztpraxen dafür sorgen, dass der Schutz öfter verabreicht wird. Mehr als 70 Praxen bieten am Mittwoch (11.8.) zusätzliche Impfmöglichkeiten an, wie das Gesundheitsministerium und Kassenärzte am Montag mitteilten. «Die Corona-Impfung ist der Weg raus aus dieser Pandemie», sagte Ministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). Sie will am Mittwoch die Aktion «Impfen to go» in Werder (Havel) besuchen.

Der Städte- und Gemeindebund bedauerte, dass die Impfangebote in Brandenburg unter dem Bundesdurchschnitt lägen. Vor allem im Schulbereich müssten Impfpotenziale ausgeschöpft werden, teilte der Kommunalverband nach einer Präsidiumssitzung mit.

Die Forderung nach Einschränkungen für nicht geimpfte Menschen wird in Brandenburg stärker. CDU-Landtagsfraktionschef Jan Redmann sagte der «Märkischen Allgemeinen» (Montag), wenn die Infektionszahlen deutlich stiegen, etwa weil Impfunwillige schwer erkrankten, sollten bestimmte öffentliche Bereiche nur Geimpften, Genesenen und Getesteten offen stehen. «Wer sich nicht impfen lassen will, muss dann aber die Tests selber zahlen.» Der Chef der oppositionellen Linksfraktion, Sebastian Walter, wandte sich gegen Einschränkungen für Impfunwillige.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Erik Stohn dringt darauf, noch mehr für das Impfen zu werben. Je mehr Menschen geimpft seien, desto weniger Einschränkungen seien nötig. Er nannte das Beispiel des 1. FC Köln, der nur geimpfte und genesene Fans zu den Spielen lässt. «Wenn Veranstalter dem Beispiel des 1. FC Köln folgen und nur Geimpfte Einlass zu den Spielen erhalten, dann ist das erlaubt und bedeutet einen höheren Schutz», sagte Stohn.

Die Grünen im Landtag wollen anders als die CDU, dass die Corona-Tests grundsätzlich kostenlos bleiben. «Unsere Fraktion spricht sich dafür aus, dass Tests - als wichtige Präventionsmaßnahme - für alle Menschen auch weiterhin gratis bleiben», sagte Grünen-Fraktionschefin Petra Budke der Deutschen Presse-Agentur. Sie wandte sich auch gegen Sanktionen, im Fokus müssten Anreize zum Impfen stehen.

Der Brandenburger Landtag berät am Dienstag in einer Sondersitzung über die zusätzlichen Impfmöglichkeiten für 12- bis 17-Jährige auch in Impfzentren, nicht nur in Arztpraxen. Die AfD-Fraktion, die die Sondersitzung beantragt hat, ist gegen Impfangebote für Kinder. Am Dienstag beraten außerdem die Regierungschefs von Bund und Ländern unter anderem über Corona-Impfungen und über Tests.

Seit Ende Dezember sind 1,28 Millionen Brandenburgerinnen und Brandenburger vollständig gegen das Coronavirus geimpft worden - das entspricht einem Anteil von 50,8 Prozent der Bevölkerung. Nach Angaben der KVBB wird in rund 1700 Arztpraxen landesweit regelmäßig gegen Corona geimpft.

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