Schule startet im Regelbetrieb: GEW beklagt Lehrermangel

05.08.2021 Mit Masken- und Testpflicht will Brandenburgs Bildungsministerin Ernst den vollständigen Präsenzunterricht in den Schulen absichern. Die Gewerkschaft beklagt indes Lehrermangel und zu volle Klassen.

Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das neue Schuljahr beginnt in Brandenburg für rund 298 000 Schülerinnen und Schüler mit vollständigem Präsenzunterricht, darunter sind rund 23.000 Erstklässler. Allerdings gilt wegen der Corona-Pandemie für alle Schüler und Lehrkräfte eine Masken- und regelmäßige Testpflicht. Gleichzeitig starte das Programm «Aufholen nach Corona», das die Kinder und Jugendlichen mit ergänzenden Lernangeboten und mehr Schulsozialarbeit zusätzlich unterstützen soll, kündigte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Donnerstag in Potsdam an. Dafür werden für zwei Schuljahre zusätzlich 200 Lehrer, 400 Studierende und zahlreiche Sozialarbeiter eingesetzt.

Zum Schuljahr 2021/2022 wurden 1256 Lehrkräfte unbefristet neu eingestellt. Dies seien 56 mehr als rechnerisch benötigt, berichtete Ernst. Darunter seien 256 Seiteneinsteiger, ein Anteil von 21,3 Prozent. Im Vorjahr war etwa jede dritte unbefristet neu eingestellte Lehrkraft ein Seiteneinsteiger. Zusätzlich wurden 790 Lehrkräfte befristet eingestellt. Darunter sind 537 Seiteneinsteiger, deren Verträge in der Regel auf 15 Monate befristet sind. Hinzu kommen befristete Verträge für Langzeiterkrankte oder Lehrkräfte in Elternzeit.

Zu Beginn des Schuljahres solle zunächst der Lernstand der Schüler erhoben werden, kündigte die Ministerin an. Dies diene als Grundlage für ergänzende Angebote. Ernst forderte die Lehrkräfte auf, in den ersten sechs Wochen auf Klassenarbeiten und Klausuren zu verzichten. Insgesamt soll die Zahl der Klausuren im kommenden Jahr reduziert werden, damit mehr Zeit für das Aufholen von Lernrückständen bleibt.

Der Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Günther Fuchs, hält die Zahl von neu eingestellten Lehrern zum Schulstart am kommenden Montag dagegen für unzureichend. Nach Angaben der Personalräte seien an den Brandenburger Schulen noch 120 Stellen nicht besetzt, sagte Fuchs am Donnerstag. «Wir kehren in den Schulen inmitten der Corona-Pandemie in eine Normalität zurück, mit volleren Klassen und einem Mangel an Lehrern.» Aus Sicht der Gewerkschaft wäre auch wegen einer erneut gestiegenen Zahl von Schülern die Einstellung von 400 weiteren Lehrkräften notwendig.

Auch die Linksfraktion im Landtag forderte die zusätzliche Einstellung von Lehrern. Denn Schülerzahlen und Klassenstärken seien gestiegen und Klassen müssten zusammengelegt werden, sagte ihre bildungspolitische Sprecherin Kathrin Dannenberg. Auch beim Gesundheitsschutz setze Ministerin Ernst erneut auf das Prinzip Hoffnung. So fehlten in den Klassenräumen immer noch Lüftungsanlagen. «Das neue Schuljahr beginnt wiederum mit Lernen auf engstem Raum, mit Lüften alle zwanzig Minuten und im Winter wieder mit Frieren», sagte Dannenberg. «Aus anderthalb Jahren Pandemie hat Britta Ernst nichts gelernt.»

Die Maskenpflicht in Innenräumen soll in den weiterführenden Schulen zunächst unbefristet und in den Grundschulen zunächst für die ersten beiden Wochen gelten. Dies sei eine Schutzmaßnahme insbesondere wegen den Reiserückkehrern aus Risikogebieten, sagte Ernst. Alle, die eine Schule betreten wollen, müssen zwei Mal pro Woche einen negativen Schnelltest vorlegen. Geimpfte und Genesene brauchen keinen Test. An den 25 Oberstufenzentren sollen mobile Teams Impfungen für Schüler anbieten.

Dies hält Fuchs für bedenklich: «Es ist erwiesen, dass sich auch Geimpfte mit Covid-19 infizieren können», sagte der Gewerkschafter. «Daher müssten sich alle Menschen testen, die eine Schule betreten wollen.»

Noch nicht geklärt ist laut Ernst, ob nach der Feststellung einer Infektion die gesamte Klasse für zwei Wochen in Quarantäne muss. Dies hätten die Gesundheitsämter zu entscheiden. Darüber diskutierten die Gesundheitspolitiker allerdings noch. «Wir wollen nicht so eine lange Quarantäne und nicht für die gesamte Gruppe», betonte die Ministerin.

Die Zahl der Sitzenbleiber ist im vergangenen Schuljahr deutlich zurückgegangenen. Nach Angaben des Ministeriums sank sie von rund 2000 in den beiden Vorjahren auf knapp 300. Nach dem monatelangen Lockdown sei in den Schulkonferenzen intensiv diskutiert worden, ob die Nicht-Versetzung eines Schülers das probate Mittel sei, den Lernrückstand aufzuholen. Allerdings wollten rund 3000 Schüler das Schuljahr freiwillig wiederholen - etwa 600 mehr als in den beiden Vorjahren.

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