Polizei attackiert - Wegner: «Bürgerkriegsähnliche Zustände»

01.08.2021 Zahlreiche Menschen drängen sich nachts in den kleinen James-Simon-Park in Berlin, es wird getrunken und gefeiert. Als die Polizei kommt, eskaliert die Lage. Der Berliner CDU-Vorsitzende Kai Wegner findet deutliche Worte für die Ausschreitungen.

Ein Blaulicht auf dem Dach eines Polizeiwagens. Foto: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Flaschen und Steine fliegen auf Beamte, ein Polizist muss ins Krankenhaus: Bei Krawallen im kleinen, aber mit zahlreichen Menschen gefüllten Berliner James-Simon-Park sind in der Nacht zu Sonntag 19 Einsatzkräfte der Polizei verletzt worden. Zwölf Menschen wurden bei dem Einsatz vorübergehend festgenommen, nachdem sich dort zwischendurch bis zu 2500 Menschen aufgehalten hatten, teilte die Polizei mit. Der Vorsitzende der Berliner CDU, Kai Wegner, sprach am Sonntag in Anbetracht der gewalttätigen Ausschreitungen von «bürgerkriegsähnlichen Zuständen».

Ein Polizist sei durch einen Tritt schwer am Knie verletzt worden und zur stationären Behandlung ins Krankenhaus gekommen, hieß es von der Polizei. Zwei weitere verletzte Beamte hätten ihren Dienst ebenfalls nicht fortsetzen können. In den frühen Morgenstunden hätten Einsatzkräfte die Lage beruhigt. Zuvor hatte die «B.Z.» darüber berichtet.

Einem Polizeisprecher zufolge hielten sich in dem Park um kurz vor 3.00 Uhr bis zu 2500 Menschen auf. «Es gab natürlich auch eine alkoholische Beeinflussung», hieß es.

Ersten Informationen zufolge sollen demnach zunächst etwa 30 Einsatzkräfte wegen Ermittlungen zu Körperverletzungsdelikten in den Park gekommen sein. Dort seien sie mit Flaschen- und Steinwürfen aus der Menge attackiert worden, sagte der Sprecher. Zwei Beamte seien am Helm getroffen worden, bei einem sei das Visier zersplittert. Die Einsatzkräfte seien dann in Richtung der Angreifer gestürmt, die daraufhin in Richtung der angrenzenden Burgstraße zurückgewichen seien. Dort sei aber Unterstützung der Polizei eingetroffen - auch diese hätten die Randalierer beworfen. Zu dem Zeitpunkt sei die Polizei mit rund 100 Einsatzkräften im Park gewesen.

Nach der Auseinandersetzung habe die Polizei den Park intensiv bestreift, hieß es weiter. Gegen 4.00 Uhr seien dort nur noch 50 Menschen gewesen. Nach Überprüfung ihrer Identitäten seien die Festgenommenen wieder freigelassen worden. Nun werde gegen sie wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs, des besonders schweren Landfriedensbruchs, Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung und wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz ermittelt.

Die Berliner CDU veröffentlichte am Sonntag ein Statement, wonach der Vorsitzende Kai Wegner die Ausschreitungen verurteilte. «Ich will nicht länger hinnehmen, dass beinahe im Wochentakt bürgerkriegsähnliche Zustände in unseren Parks und auf unseren Straßen ausbrechen», sagte Wegner. Innensenator Andreas Geisel (SPD) müsse die Polizeipräsenz an einschlägigen Orten erhöhen. Zugleich forderte er, jungen Menschen legale Angebote mit Hygiene- und Sicherheitskonzept zum Feiern bereitzustellen.

Paul Fresdorf, innenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, sagte, der Senat habe zu lange zugeschaut und sich der Problematik nicht angenommen. Die Hauptstadt brauche endlich ein Konzept, «das diesen illegalen Partys einen Riegel vorschiebt».

Auch der Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei, Benjamin Jendro, kritisierte die Berliner Regierung. Man sei entsetzt über die «erneute Gewaltwelle», aber noch entsetzlicher sei es, mit welcher Gleichgültigkeit der Senat und die zuständigen Bezirke die Problematik seit mehr als einem Jahr aussäßen.

Im James-Simon-Park kamen zuletzt immer wieder mehrere Jugendliche zusammen, um dort gemeinsam zu feiern. Nicht immer blieb es dabei friedlich. Ende Juni etwa hatten Dutzende Jugendliche Polizisten mit Flaschen beworfen und Polizeiwagen beschädigt.

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