Berlin: Neuer Fahrplan nach erster Impfung mit Astrazeneca

02.07.2021 Manchmal klingen die Änderungen beim Impfen mit Astrazeneca in der Pandemie nach Hü und Hott. Die jüngste Idee scheint aber mit Blick auf die Delta-Virusvariante sinnvoll - und sie bietet Erstgeimpften Vorteile. Berlin will da nicht abseits stehen.

Eine Mitarbeiterin eines Impfteams überprüft eine Spritze mit einem Impfstoff gegen Covid-19. Foto: Thomas Frey/dpa Pool/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin bietet ab sofort allen Menschen, die in der Pandemie eine Erstimpfung mit dem Vakzin von Astrazeneca erhalten haben, den zweiten nötigen Piks mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna an. Grund ist eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), die in dieser Kombination eines Vektor- und eines mRNA-Impfstoffs einen besseren Schutz vor der ansteckenderen Virusvariante Delta sieht. Das Buchungssystem in den Impfzentren werde nun zeitnah entsprechend umgestellt, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit am Freitag mit.

So sollen Astrazeneca-Zweitimpfungen, die für Freitagvormittag im Impfzentrum Tempelhof vorgesehen waren, dort bis zum 7. Juli ohne neue Terminvereinbarung mit einem der beiden anderen Vakzine nachgeholt werden. Das betrifft wegen einer früheren Umstellung bei Astrazeneca auf die ältere Bevölkerung zumeist Menschen über 60 Jahre. Auch beim Arzt kann das Impfschema mit der neuen Empfehlung geändert werden.

Ein Vorteil für alle Erstgeimpften mit Astrazeneca ist dabei, dass sie nun früher den vollständigen Impfschutz erhalten können - mit einem Mindestabstand von vier Wochen nach dem ersten Piks. Bei einem zweiten Shot mit Astrazeneca hätten sie neun bis zwölf Wochen warten müssen. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) verwies am Freitag darauf, dass die ansteckendere Delta- Variante auch in Deutschland bald domininieren werde und das Risiko einer neuen Dynamik bei den Infektionen steige. «Deshalb ist jede Impfung wichtig».

Die neue Kombination von Astrazeneca mit Biontech oder Moderna heißt Kreuzimpfung oder auch heterologes Impfschema. Für Berlinerinnen und Berliner, die zuerst mit Biontech oder Moderna geimpft wurden, ändert sich dagegen gar nichts. Sie bekommen auch die zweite Impfung mit diesem Vakzin. Dieser Schutz heißt dann homologes Impfschema.

Wer bereits zweimal mit Astrazeneca immunisiert wurde, hat bisher keinen Anspruch auf eine dritte Impfung mit einem mRNA-Impfstoff wie Biontech oder Moderna. Nach bisherigen Studien ist aber der Schutz vor schweren Corona-Verläufen auch hier akzeptabel - in Kombination mit einem mRNA-Imstoff liegt er nur deutlich höher. Das ist auch der Hauptgrund für die Änderung.

Laut Stiko biete die Kombination aus Astrazeneca und einem mRNA-Impfstoff mindestens die gleiche Schutzwirkung wie Erst- und Zweitimpfung mit einem mRNA-Vakzin, sagte Kalayci. Das sei eine gute Nachricht. Sie kritisierte jedoch den Informationsfluss der Impfkommission, die ihre jüngste Empfehlung am Donnerstag noch ohne wissenschaftliche Begründung gegeben hatte. «Wenn es schon eine solche Empfehlung gibt, sollte sie nicht vom Himmel fallen», meinte die SPD-Politikerin. Die neue Stiko-Botschaft sei für Bund und Länder überraschend gekommen.

Bislang erweist sich das Vakzin von Astrazeneca allerdings ohnehin eher als Ladenhüter. Um das zu ändern, erwartet Kalayci vom Bund nun eine Werbekampagne für die neue Kombinationsmöglichkeit. «Am Ende muss der Bund einschätzen, ob die dem Bund zur Verfügung stehenden Dosen alle verimpft werden können», sagte sie. «Sollte der Bund zu dem Schluss kommen, dass das nicht gelingt, muss er ein Verfahren entwickeln, was mit den Dosen passieren soll.» Die Senatorin schlug vor, sie gegebenenfalls an andere Staaten weiterzugeben, in denen dringender Bedarf bestehe - dann auch mit der Option auf gut schützende Kombi-Impfungen.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News