WWF bezweifelt Sinn von Zäunen als Schutz vor Schweinepest

25.06.2021 Die Angst vor dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in einem Hausschweinbestand in Deutschland ist weiterhin groß. Um die Ausbreitung zu verhindern wird einiges getan - unter anderem ein Zaun soll die Seuche abwehren.

Ein polnischer Grenzpfeiler ist hinter einem Drahtzaun gegen die Afrikanische Schweinepest. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Umweltschutzorganisation WWF Deutschland bezweifelt den Sinn von Zäunen entlang der deutsch-polnischen Grenze zum Schutz vor der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Vielmehr müssten gravierende negative Folgen für die heimische Natur und Wildtiere befürchtet werden, sagte Nina Gandl, WWF-Wildtierexpertin. Über größere Entfernung breite sich die Seuche bisher hauptsächlich durch den Menschen aus.

Derzeit steht ein 255 Kilometer langer Schutzzaun an der Grenze zu Polen in Brandenburg, insgesamt wurden 670 Kilometer fester Zaun im Land gebaut. Am Donnerstag kündigte das Ministerium für Verbraucherschutz einen zweiten Zaun an - um einen Schutzkorridor entlang der polnischen Grenze errichten und so die Barriere für die Tiere zu vergrößern. Der bestehende Zaun schaffe allein keine ausreichende Sicherheit, hieß es vom Krisenstab. Das zeigten immer neue mit dem Virus infizierte Fallwildfunde in bisher nicht betroffenen grenznahen Gebieten. Rotwild könne den Zaun überspringen.

WWF-Expertin Gandl sagte, ein Zaun halte auch infizierte Wildschweine nicht auf. «Im Gegensatz zu anderen Wildtieren sind Wildschweine grundsätzlich sehr gut in der Lage, Elektro- aber auch feste Zäune zu überwinden oder zu untergraben.» Feste Zäune behinderten hingegen natürliche Wanderungen von Tieren. «Wir sind daher sehr besorgt», sagte die Wildtierexpertin. Dies gelte für Reh-, Rot- oder Damwild, Otter, Hase, Biber, Wolf oder Dachs, aber auch für Elch oder Wisent. Notwendige Wartungen der Zäune könnten zudem sensible Lebensräume stören.

Am deutsch-dänischen Grenzzaun sei mehrfach von Tieren berichtet worden, die am Zaun hängen blieben und qualvoll verendeten. Aufnahmen von Fotofallen der Humboldt-Universität zeigten Tiere, die erfolglos versuchten, die Barriere zu überwinden. Andererseits könnten die nicht elektrifizierten Zäune auch Trainingsorte für den Wolf sein, so Gandl. Er lerne da, unsachgemäß installierte Herdenschutzzäune zu überwinden.

Der WWF forderte eine wissenschaftlich fundierte Bewertung der Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenwelt und deren Lebensräume. Laut EU-Recht sei eine bestimmte Untersuchung erforderlich, um den Erhaltungszustand von geschützten Arten und Lebensräumen zu überprüfen. «Werden Schutzgebiete berührt, wird es eine FFH-Verträglichkeitsprüfung geben», betonte Silvia Bender, Umwelt-Agrarstaatssekretärin. Zudem sei ein Monitoring geplant.

Statt wertvolle Lebensräume und Naturschutzgebiete zu zerschneiden, sollte man sich auf den «Faktor Mensch» im Kampf gegen die Einschleppung der ASP konzentrieren, sagte Gandl. Dabei gehe es um die Desinfizierung von Fahrzeugen, keine Entsorgung von Lebensmitteln in der Natur und die Sensibilisierung von Jägern und Verbrauchern. Bei den Schweinehaltern gehe es um strikte Einhaltung von Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen.

ASP ist für Menschen ungefährlich, für Wild- und Hausschweine fast immer tödlich. Der bei Wildschweinen in Deutschland wurde am 10. September 2020 in Brandenburg offiziell nachgewiesen. Später wurde bekannt, dass bereits in der ersten Juli-Hälfte infizierte Tiere verendeten. Auf Hausschweine ist die Seuche bislang nicht übergetreten, 1122 tote infizierte Wildschweine wurden gezählt.

© dpa-infocom GmbH

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