200 Autobahngegner auf Elbbrücke: Stundenlange Sperrung

06.06.2021 Autobahngegner erzwingen am Samstag über mehrere Stunden die Sperrung einer wichtigen Brücke über die Elbe bei Wittenberge. Bis in den späten Abend hinein müssen Autofahrer große Umwege fahren. Störungen oder gar Ausschreitungen gibt es bei den Protesten nicht.

Autos stauen sich auf einer Straße in Dresden. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zeitweise bis zu 200 Menschen haben am Samstag an der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt gegen den Bau der A14 und einer damit verbundene Elbüberquerung protestiert. Zentraler Versammlungspunkt der Demonstranten, die mit dem Fahrrad, dem Boot oder zu Fuß aus mehreren Bundesländern gekommen waren, war die Elbbrücke der B189 bei Wittenberge. Die Brücke musste von 14.30 Uhr an für etwa sechseinhalb Stunden für den Verkehr gesperrt werden, was zu erheblichen Beeinträchtigungen führte. Ursprünglich war geplant, die Brücke bis 22.00 Uhr zu sperren.

Nach Angaben der Polizeien in Stendal (Sachsen-Anhalt) und Neuruppin (Brandenburg) vom Sonntag seien die Proteste «weitestgehend friedlich» und «ohne große Störungen» verlaufen. Insgesamt waren den Angaben zufolge mehrere Hundert Polizisten und Polizistinnen im Einsatz - allein 250 aus Brandenburg. Aus dem Bereich der Polizeiinspektion Stendal und der Landesbereitschaftspolizei Sachsen-Anhalts waren demnach in Stendal und an der Elbbrücke insgesamt 300 Polizisten und Polizistinnen im Einsatz.

«Mehrere Platzverweise wurden ausgesprochen und drei Strafanzeigen sowie mehrere Ordnungswidrigkeiten aufgenommen», sagte Dörte Röhrs, Sprecherin der Polizeidirektion Nord im brandenburgischen Neuruppin. Ihren Angaben zufolge habe es zu den angemeldeten Versammlungen eine Gegenversammlung gegeben. Zudem hätten mehrere Menschen auf einem Floß protestiert, einige Demonstranten hätten sich an Seilen festgeschnallt. «Sie blieben auch nach Ende der Versammlungen an der Brücke fest», sagte Röhrs. Erst die Wasserschutzpolizei und Höhenretter bereiteten den Protesten den Angaben zufolge ein Ende. Um 21.00 Uhr habe der Verkehr wieder über die Brücke rollen können.

Die Proteste richteten sich gegen den Bau der A14-Nordverlängerung und den damit verbundenen Bau einer neuen Elbüberquerung bei Wittenberge. Sie waren Teil eines bundesweiten Aktionstages für eine Mobilitätswende, zu dem mehrere Bündnisse aufgerufen hatten. Laut Zoltán Schäfer, Sprecher Grüne Jugend Altmark und Mitglied der beteiligten Aktionsgruppe «Keine A14!», wurde für die Proteste auf der Elbbrücke «deutschlandweit mobilisiert.» Die Initiatoren hatten Schäfer zufolge mit rund 500 Teilnehmern gerechnet. Sie hatten unter anderem drei Fahradkorsos von Seehausen (Sachsen-Anhalt), Perleberg (Brandenburg) und Schnackenburg (Niedersachsen) bis zur Elbbrücke organisiert, wo es auch eine Kundgebung gegeben habe.

Die A14-Nordverlängerung zwischen den Autobahnkreuzen Magdeburg und Schwerin umfasst 155 Kilometer. Derzeit wird mit Gesamtbaukosten in Höhe von 1,7 Milliarden Euro gerechnet. Die 26 Kilometer in Mecklenburg-Vorpommern und die Hälfte der 32 Kilometer in Brandenburg sind bereits fertig. In Sachsen-Anhalt rollt auf knapp 15 von 97 Kilometern der Verkehr. Gegen die Planungen für zwei Abschnitte liegen Klagen vor. Die anderen Abschnitte in Sachsen-Anhalt sind im Bau oder es besteht bestandskräftiges Baurecht.

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