Inzidenzwert in Berlin überschreitet wieder 100er Marke

10.05.2021 Das Infektionsgeschehen in Berlin zieht wieder leicht an. Wer bereits optimistisch auf einen Biergartenbesuch am nächsten Wochenende geblickt hat, wird enttäuscht.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci. Foto: Jörg Carstensen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Berlin ist in der Corona-Pandemie die Sieben-Tage-Inzidenz wieder knapp über die Marke von 100 gestiegen. Das teilten das Robert Koch-Institut(RKI) und der Senat am Montagmorgen mit. Die von vielen Menschen erhofften Lockerungen der scharfen Einschränkungen rücken damit wieder weiter in die Zukunft. Frühestens am 19. Mai sei so etwas nach aktuellem Stand möglich, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD).

Nach zwei Tagen unter dem Wert von 100 müsse wieder neu gezählt werden. Fünf Werktage müsse Berlin unter 100 liegen, und dann könnte nach den Regelungen am zweiten Arbeitstag danach gelockert werden. Diskutiert wurde in den vergangenen Tagen etwa eine Öffnung der Außenbereiche von Restaurants und Kneipen am kommenden Wochenende. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) richtete den Blick bereits auf das Pfingstwochenende, sollten die Zahlen künftig weiter sinken.

Der Wert der Sieben-Tage-Inzidenz wurde vom RKI in der Nacht zu Montag und am Vormittag dann auch im Lagebericht des Senats mit 100,8 angegeben. Am Freitag (98,6) und Samstag (97,0) waren die Werte erstmals seit langem unter die Marke 100 gerutscht. Nur wenn der Wert fünf aufeinander folgende Tage unter 100 bleibt, werden schärfere Maßnahmen gemäß der Bundes-Notbremse wieder gelockert. Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt an, wie viele Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen erfasst wurden.

Kalayci definierte im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses zwei Zielmarken: Erreicht werden müsse eine Sieben-Tage-Inzidenz «deutlich unter 50» sowie eine Impfung von 50 Prozent der Bevölkerung. Erst dann sei ein Durchbruch erzielt. Bei der Sieben-Tage-Inzidenz sehe man seit dem 19. April eine sinkende Tendenz, allerdings sei der aktuelle Stand mit einem Wert von 100 noch deutlich zu hoch, sagte die SPD-Politikerin. «Erst bei 20 und 30 ist das Infektionsgeschehen beherrschbar.» Die Impfquote von 50 Prozent könnte bis Ende Juni erfüllt werden.

Müller sagte im RBB-Inforadio: «Wir müssen jetzt sehen, wie es in den nächsten Tagen weitergeht, um beobachten können, in welche Richtung es sich wirklich entwickelt.» Der Senat werde am Dienstag darüber beraten. Er sehe die vielen Menschen, die bei dem schönen Wetter unterwegs seien, «mit gemischten Gefühlen». Einerseits habe er viel Verständnis. Andererseits wisse man: «Aus sehr viel Kontakten kann auch wieder ein neues Problem entstehen.» Für Pfingsten wolle der Senat «ohnehin sehen, dass wir mit Brandenburg kompatibel eine Regelung finden für die Gastronomie.

Laut Müller wird der Senat in den kommenden Tagen entscheiden, ob die Berlinale wie geplant im Juni als Open-Air-Veranstaltung stattfinden kann. Berlin müsse sich aber auch dabei an das Bundesgesetz und die Notbremse halten. Die frühere Freiheit der Bundesländer sei jetzt deutlich eingeschränkt.

Mit Blick auf Betriebsärzte, die in einigen Firmen als Modellversuch nun impfen dürfen, sagte der Senatschef, für eine flächendeckende Ausweitung fehle es hier weiter an Impfstoff. Für Mai und Juni werde bekanntlich deutlich mehr Impfstoff erwartet. Aber er sei «vorsichtig geworden» - nach vielen nicht erfüllten Zusagen von Herstellern und dem Bundesgesundheitsministerium.

Kalayci lobte große Firmen, die durch ihre Betriebsärzte die eigenen Angestellten und auch Mitarbeiter anderer Unternehmen impfen lassen wollen. Es gebe ein großes Interesse. An einem Modellversuch ab dem (heutigen) Montag würden inzwischen 15 große Firmen teilnehmen. Insgesamt stelle das Land 13 000 Impfdosen dafür zur Verfügung. Inzwischen gibt es laut der Senatorin 1000 Corona-Teststellen in Berlin. Das ergebe 3,2 Millionen Testmöglichkeiten pro Woche. Bisher seien rund 2,9 Millionen Schnelltests gemacht worden.

In Berlin waren mit Stand Samstagvormittag 1 075 691 Menschen (29,3 Prozent) ein Mal geimpft und 394 785 (10,8 Prozent) zwei Mal. Der aktuelle Stand inklusive des Wochenendes sollte im Laufe des Montags veröffentlicht werden.

Laut Senat gab es 79 neu erfasste Corona-Infektionen. Die Gesamtzahl erreichte am Montag 172 730. Allerdings lagen von vielen Bezirken keine Meldungen vom Wochenende vor. Neue Todesfälle wurden nicht erfasst, die Gesamtzahl der Toten betrug zuletzt 3302. Auf den Intensivstationen ist die Lage weiter angespannt, 23,9 Prozent der Intensivbetten waren mit Covid-19-Patienten belegt.

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