Schießerei: Angeklagte weisen Tötungsabsicht zurück

27.04.2021 Nach einer Schießerei in einem Hinterhof mit einem Verletzten stehen drei Männer vor dem Berliner Landgericht. Die 25, 28 und 35 Jahre alten Angeklagten haben zu Prozessbeginn am Dienstag eine Tötungsabsicht zurückgewiesen. In einem Streit zwischen zwei Männern aus ihrem Bekanntenkreis hätten sich zwei Gruppen getroffen. Zunächst seien in der Gruppe um den später Verletzten Baseballschläger, Machete und eine Schusswaffe aufgetaucht. Der 28-Jährige gab zu, die Pistole eines Begleiters übernommen und mehrmals abgedrückt zu haben. Dabei habe er allerdings «bewusst auf den Boden geschossen». Die Anklage lautet unter anderem auf versuchten Totschlag. 

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bei der Auseinandersetzung im September 2020 habe zunächst der 25-Jährige einen 24-jährigen Mann mit einem Baseballschläger angegriffen, so die Anklage. Ein gesondert verfolgter Mittäter habe dann eine Pistole gezogen. Der 28-Jährige habe diese genommen und fünf Schüsse abgefeuert. Der 24-Jährige, der zwischen parkenden Autos in Deckung gegangen sei, habe einen Streifschuss abbekommen. Anschließend habe der 35-Jährige die Pistole genommen. Ein Schuss habe sich jedoch nicht gelöst.

Bei dem 25-Jährigen handelt es sich um einen Bruder eines im September 2018 am Tempelhofer Feld in Berlin-Neukölln erschossenen Mannes, der dem kriminellen Clanmilieu der Hauptstadt zugeordnet wurde. Das 36-jährige Mitglied einer arabischstämmigen Großfamilie war vor den Augen seiner Familie von acht Kugeln durchlöchert worden. Die Tat ist bis heute nicht aufgeklärt. 

Ein Verteidiger sagte am Rande, die Schüsse im Hinterhof hätten «nichts mit Clankriminalität zu tun». Es habe sich um einen großen Freundeskreis gehandelt. Warum es zu einem heftigen Streit kam, sei unklar. Sein Mandant habe fünf Mal aus einer Entfernung von etwa drei Metern vorbeigeschossen. «Das zeigt, dass er den Mann nicht treffen wollte, er wollte ihn vertreiben», so der Anwalt. 

Der 25-jährige Angeklagte erklärte weiter, er habe einem Mann aus der anderen Gruppe einen Baseballschläger entrissen, um damit eine Schusswaffe wegzuschlagen. Dabei habe er den 24-Jährigen getroffen, der einst sein bester Freund gewesen sei. Der 24-Jährige habe den Streit gewollt und begonnen. Der Prozess geht am 6. Mai weiter. 

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