GEW und Kinderschutzbund kritisieren Testpflicht an Schulen

14.04.2021 Ab Montag gilt eine Corona-Testpflicht für Berliner Schulen. Die Kritik daran wird lauter. Die einen sehen Kinderrechte verletzt, die anderen fordern zusätzliches Personal.

Flüssigkeit wird auf einen Corona-Selbsttest gegeben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Corona-Testpflicht für Berliner Schulen kritisiert. Danach müssen ab Montag Schülerinnen und Schüler zweimal pro Woche in der Schule einen Corona-Selbsttest machen. Klare Vorgaben dazu gebe es noch nicht, bemängelte der Vorsitzende der GEW Berlin, Tom Erdmann, am Mittwoch. «Das verunsichert in dieser angespannten Situation die Kolleginnen und Kollegen zusätzlich.»

Die GEW begrüße die verpflichtenden Tests prinzipiell, halte aber unterstützende Maßnahmen für notwendig. «Gerade Grundschulkinder brauchen bei der Durchführung der Tests viel Hilfe. Es fängt beim Öffnen der Stäbchentasche und der Selbsttests und beim Verschließen der Röhren an», erklärte Erdmann. Oft müssten die Test-Kits außerdem noch umgepackt werden, weil Komponenten nicht zueinander passten.

Der Hinweis auf Österreich laufe ins Leere. «Viele Schulen dort haben eigenes medizinisches Personal, das bei der Durchführung der Tests unterstützen kann», sagte Erdmann. «Gerade bei jüngeren Schülerinnen und Schülern ist das notwendig.» Die Berliner GEW fordere deshalb unterstützendes Personal an allen Berliner Schulen.

Außerdem müssten Schulen auch alternative Möglichkeiten zur Kontrolle der Testpflicht anwenden können, so die Gewerkschaft. Beim Betreten der Gebäude könnten zum Beispiel die zu Hause verwendeten negativen Teststreifen vorgezeigt und gegen neue Tests für den nächsten Tag eingetauscht werden.

Kritik an der Testpflicht kam auch vom Kinderschutzbund Berlin «Grundsätzlich ist die Testpflicht für Kinder an Berliner Schulen zu begrüßen», teilte Christian Neumann von dem Verband am Mittwoch mit. Das Testkonzept sei jedoch nicht durchdacht und lasse viele Fragen unbeantwortet.

So sei beispielsweise fraglich, wie Kinder bei einem positiven Testergebnis betreut werden sollen. «Kinder haben Ängste und sind bei einem positiven Testergebnis im Klassenraum großer Scham ausgesetzt», sagte Neumann. Dem Schulpersonal sollte das Testergebnis vertraulich und mündlich mitgeteilt werden, das gleiche Recht hätten auch Kinder und Jugendliche.

Außerdem werde die ohnehin kurze Unterrichtszeit durch die Tests in der Schule weiter verkürzt. Es sei stattdessen sinnvoll, die Schülerinnen und Schüler vor dem Betreten der Schule zu testen. Sollte es Tests in der Schule geben, müssten separate Räumlichkeiten, der Schutz der Privatsphäre und enge pädagogische Begleitung gewährleistet sein, forderte der Kinderschutzbund.

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