Brandenburg plant vorerst keine neuen Erstimpftermine

14.04.2021 Wer unter 60 ist und eine Erstimpfung mit Astrazeneca hat, soll für die Zweitimpfung einen anderen Impfstoff bekommen. Das hat Folgen: 60 000 Zweitimpfungen müssen neu geplant werden.

Eine Frau erhält eine Corona-Impfung. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wegen neuer Vorgaben für das Impfen mit Astrazeneca soll es in Brandenburgs Impfzentren vorerst keine neuen Termine für Corona-Erstimpfungen mit Biontech und Moderna geben. Das kündigte Innenminister Michael Stübgen (CDU) am Mittwoch in einer Sitzung des Gesundheits- und Innenausschusses des Landtags an. «Wir werden keine Erstimpfungstermine mehr herausgeben, um wenigstens - soweit es irgend geht - mit den vorhandenen Biontech- und Moderna-Dosen die Kompensation der Zweitimpfungen zu Astrazeneca durchhalten zu können», sagte Stübgen. Vereinbarte Termine blieben bestehen.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich darauf geeinigt, dass unter 60-Jährige mit einer Astrazeneca-Erstimpfung bei der Zweitimpfung auf ein anderes Präparat umsteigen sollen. Damit folgen sie einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Der Hintergrund sind Verdachtsfälle auf eine Hirnvenen-Thrombose nach der Impfung mit Astrazeneca.

Nach Angaben des Ministeriums geht es um rund 60 000 Menschen, bei denen Astrazeneca bei der Zweitimpfung ersetzt werden soll und deren zweite Impfungen ab nächster Woche bis zur vorletzten Mai-Woche anstehen. Hauptsächlich seien Ärzte, Pflegepersonal, Polizisten und Mitarbeiter in gefährdeten Berufsgruppen betroffen. Das Ziel sei, die notwendigen Zweitimpfungen abzusichern, weil die Geimpften sonst ihre Immunisierung verlieren, sagte Stübgen. Er will vermeiden, dass Termine für Erstimpfungen ausfallen, die gebucht sind. Das Aussetzen von Terminen hatte im Januar für Kritik gesorgt.

Weil die Gesundheitsminister keinen zusätzlichen Impfstoff zur Verfügung stellen, muss Brandenburg dem Ministerium zufolge in anderen Bereichen Biontech und Moderna einsparen. Der Umstieg von Astrazeneca betrifft in Brandenburg die Impfzentren, die das Land organisiert. Der Impfstoff für Hausärzte wird über den Bund organisiert.

Stübgen sagte, dazu komme, dass 6700 Impfdosen von Johnson & Johnson zunächst nicht nach Brandenburg ausgeliefert würden. Wie beim Impfstoff von Astrazeneca waren auch bei Johnson & Johnson spezielle Thrombosen erfasst worden. Der Minister will trotz der Probleme am ursprünglichen Ziel festhalten: «Wir wollen, dass bis Ende September jeder Brandenburger ein Impfangebot bekommen hat.»

Die oppositionelle Linksfraktion im Landtag sprach von andauerndem Chaos. «Der Erfolg der Impfkampagne steht in Frage», teilte Gesundheitspolitiker Ronny Kretschmer mit.

In Brandenburg haben laut Innenministerium bisher rund 429 000 Menschen eine erste Corona-Impfung erhalten. Das entspricht nach Angaben des Robert Koch-Instituts 17 Prozent der Bevölkerung, das Land liegt damit im Ländervergleich im Mittelfeld. Fast 145 000 Brandenburgerinnen und Brandenburger sind vollständig geimpft und haben eine zweite Impfung. Das sind 5,7 Prozent der Bevölkerung.

Die Zahl der Sterbefälle in Brandenburg im Zusammenhang mit einer Covid-Erkrankung ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums in der zweiten Corona-Welle deutlich gestiegen. Bis Ende Dezember wurden aus den Pflegeheimen dem Ministerium zufolge 398 Sterbefälle im Zusammenhang mit einer Covid-Erkrankung gemeldet (Stand 18.12.2020), Mitte April waren es 1528 Sterbefälle (Stand 14.4. 2021). Aktuell liegt die Sterblichkeitsrate in Brandenburg demnach bei 3,63 Prozent, deutschlandweit bei 2,59 Prozent.

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