Grundschulen offen: Schülerrat fordert bessere Kommunikation

13.04.2021 Grundschüler können ab heute wieder in die Schule - Präsenzpflicht im Rahmen des Wechselmodells zwischen Zuhause und Schule gilt aber erst kommende Woche mit einer Corona-Testpflicht. Dem Landesschülerrat bemängelt unzureichende Kommunikation durch das Bildungsministerium.

Stühle sind in einem Klassenzimmer einer Schule hochgestellt. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Seit diesem Montag lernen Schülerinnen und Schüler der Grundschulen in Brandenburg wieder im Wechselunterricht zwischen Schule und Zuhause. Die Präsenzpflicht bleibt nach Angaben des Bildungsministeriums weiter ausgesetzt, sie soll dann ab der kommenden Woche im Rahmen des Wechselmodells gelten. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hat die Eltern am Montag darüber in einem Brief informiert, der auf der Internetseite des Ministeriums nachzulesen ist. Schülerinnen und Schüler müssen sich demnach ab 19. April zweimal wöchentlich testen lassen, um am Unterricht teilnehmen zu dürfen. Die Bildungsministerin hält die Schulen damit für sicher. Tests seien ausreichend vorhanden. Mit der Testpflicht blieben die Hygieneregeln - etwa Abstandsgebot und Maske tragen - bestehen. «Es ist kein Test mit dem man sich irgendwie freitestet», hatte Ernst im Gesundheitsausschuss betont.

Das Wechselmodell gilt auch für Abschlussklassen. Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung bleiben geöffnet. Eltern sollen in Abstimmung mit der Schulleitung selber über den Schulbesuch entscheiden, wie es vom Ministerium weiter hieß. Weiterführende Schulen sind dagegen vorerst wieder geschlossen. Schülerinnen und Schüler von Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien müssen zum Schutz vor dem Coronavirus zuhause lernen. «Mir ist bewusst, dass diese Veränderung für viele Familien und Schülerinnen und Schüler einen massiven Eingriff darstellt, der kurzfristige Umplanungen zur Folge hat», schrieb die Bildungsministerin. Sie bat um Verständnis und verwies gleichzeitig auf die Entwicklung des Infektionsgeschehens in den vergangenen Tagen.

Kritik kommt vom Landesschülerrat, der die Kommunikation des Bildungsministeriums bei der Öffnungsstrategie für die Schulen kritisiert. «Derzeit passieren sehr viele Dinge adhoc und oftmals ungeplant, wie es scheint», sagte die Vorsitzende Katharina Swinka der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Es fehle Planungssicherheit für die Schulen und die Lernenden. Die Kommunikation mit den Schulen habe viel zu spät stattgefunden, befand sie.

Der Landesschülerrat war nach eigenen Angaben an der Corona- Teststrategie für die Schulen mitbeteiligt gewesen. Zuhause zu testen sei flexibler, da Brandenburg ein Flächenland sei und nicht alle Schüler schnell zu ihrer Schule kämen, erläuterte Swinka.

Zum Distanzunterricht für die weiterführenden Schulen sieht Swinka, die Schülerin der 12. Klasse einer Gesamtschule in Potsdam ist, derzeit keine Alternative. Es gebe in den oberen Klassen mehr Corona-Infektionen als an den Grundschulen. Die Erfahrungen der letzten Monate hätten auch gezeigt, dass die Umsetzung des Präsenzunterrichts an den weiterführenden Schulen etwa mit Klassenteilungen «unglaublich schwierig» war. Der Landeselternrat hingegen hält nach Worten des Sprechers, René Mertens, mit Hilfe einer Corona-Testpflicht auch die Öffnung der weiterführenden Schulen in Brandenburg für möglich.

Unterdessen nimmt die Zahl der Ansteckungen mit dem Coronavirus innerhalb von 7 Tagen je 100 000 Einwohner weiter zu. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Potsdam stieg die Sieben-Tage-Inzidenz von 119 am Sonntag auf rund 125 am Montag. Am Samstag hatte der Wert bei 111 gelegen, vor einer Woche bei rund 135.

Mit Spree-Neiße überschritt nach Elbe-Elster der zweite Landkreis erneut die Marke von 200 pro 100 000 Einwohner. Der Wert lag dort am Montag bei rund 208. Corona-Hot-Spot bleibt der Kreis Elbe-Elster mit einem Wert von 218, dahinter folgt Cottbus (190,6). 4 Kreise und die Landeshauptstadt Potsdam liegen derzeit unter der 100-ter Marke.

Im Landkreis Potsdam-Mittelmark ist die Corona-Notbremse automatisch wieder beendet. Weil es in der vergangenen Woche an 3 Tagen hintereinander weniger als 100 neue Infektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche gab, traten die Lockerungen von März wieder in Kraft. Damit dürfen sich im Freien wieder 2 Haushalte, aber höchstens 5 Menschen treffen, Kinder bis 14 Jahren sind ausgenommen. Der Kreis Barnim stellte ab Dienstag Lockerungen in Aussicht, auch in Potsdam kann dies in einigen Tagen der Fall sein.

In Brandenburg haben mit Stand Sonntag 408 316 Menschen eine erste Impfung erhalten, 135 922 Menschen sind bereits zum zweiten Mal geimpft. Fast 40 000 Impfungen wurden dabei in den Impfzentren verabreicht, Arztpraxen führten rund 30 000 Impfungen durch. Die mobilen Impfteams verabreichten rund 8000 Impfungen, die Kliniken rund 4500. Brandenburg liegt bei den Erstimpfungen bundesweit im vorderen Mittelfeld, bei den Zweitimpfungen dagegen weiter hinten.

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