Wirtschaftssenatorin Pop plädiert für neue Wege beim Impfen

09.04.2021 Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop hat dafür plädiert, über neue Wege bei den Corona-Impfungen nachzudenken. «Wir müssen darüber reden, ob wir mit den Vorräten für die Zweitimpfung nicht Erstimpfungen machen», sagte die Grünen-Politikerin dem «Tagesspiegel» (Freitag). «Es gibt ja die Diskussion, dass Jüngere durch ihre höhere Mobilität stärker dazu beitragen, dass sich das Virus verbreitet. Man sieht das an den Inzidenzen in den Alterskohorten. Es wäre zu überlegen, auch diesen Gruppen Impfangebote zu machen», sagte Pop.

Ramona Pop (Bündnis 90/ Die Grünen), Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, spricht. Foto: Kira Hofmann/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

«Die Frage ist, ob wir in Deutschland die Kraft haben, die Impfstrategie nochmal anders aufzustellen: Die wirklich vulnerablen Gruppen über 70 haben nun Impfangebote. Wir sollten jetzt nicht mehr als nötig bürokratisch priorisieren, sondern uns breiter aufstellen.»

Pop sprach sich außerdem dafür aus, dass Menschen, die bereits zweimal geimpft wurden, deutlich mehr Freiheiten erhalten sollten. «Es geht nicht um Privilegien, sondern um die Freiheitsrechte jedes Einzelnen. Das ist der Normalzustand, über den wir hier sprechen, kein Sonderrecht», betonte die Wirtschaftssenatorin. «Natürlich erscheint das erstmal ungerecht für alle, die noch nicht geimpft sind. Aber was hilft es mir persönlich, wenn die Geimpften die gleichen Einschränkungen haben, die ich selbst habe? Warum sollen die vielen älteren Geimpften nicht ihr Leben wieder genießen können?»

Die Grünen-Politikerin forderte, zunächst sollten dabei die Quarantäne- und Bewegungseinschränkungen in den Blick genommen werden. «Dort erlegt der Staat unter Strafe auf, die Wohnung nicht mehr zu verlassen. Das muss für Geimpfte aufgehoben werden.» Auch die Einschränkungen der Bewegungs- und Reisefreiheit könnten für Geimpfte gelockert werden.

Solche Grundrechtsfragen stünden als erstes an. «Dann kommen die lebensweltlichen Fragen wie der Restaurant- oder Friseurbesuch», so die Wirtschaftssenatorin. «Wir brauchen mindestens eine Gleichstellung der Geimpften mit den negativ Getesteten.» Bestimmte Regeln sollten aber weiter für alle gelten. «Wir werden weiterhin Abstand halten und Maske tragen müssen.»

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