Unfall bei Raserei aus Frust: Prozess gegen Autofahrer

07.04.2021 Ein Auto rammt einen Motorroller, der an einer roten Ampel steht. Dessen Fahrer wird meterweit geschleudert. Der angetrunkene Raser aber flieht - mit dem Roller, der sich in die Front seines Autos gebohrt hat. Nun steht ein 44-Jähriger vor Gericht.

Paragrafen-Symbole sind an Türgriffen am Eingang zum Landgericht angebracht. Foto: Oliver Berg/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Eine Raserei durch Berlin-Marienfelde endet mit einem schweren Unfall mit einem Motorroller - zum Prozessauftakt hat der angeklagte Autofahrer von einem «Filmriss» gesprochen und um Verzeihung gebeten. Er sei erheblich alkoholisiert gewesen, als er sich nach einem Streit mit seiner Ehefrau in sein Fahrzeug gesetzt habe, erklärte der 44-Jährige am Mittwoch vor dem Landgericht. Wie schnell er dann gefahren sei, könne er nicht sagen - «es war eine Fahrt wie in Trance». Was vor rund elf Monaten geschehen sei, bereue er sehr.

Mit bis zu 151 Kilometern pro Stunde soll der deutsche Angeklagte am 17. Mai 2020 durch Straßen gerast sein. Mehrere rote Ampeln habe er ignoriert und sich schließlich mit etwa 127 km/h der Kreuzung Großbeerenstraße/Daimlerstraße genähert, heißt es in der Anklage. Obwohl andere Fahrzeuge an der roten Ampel gestanden hätten, habe er keine Vollbremsung eingeleitet. Er habe billigend in Kauf genommen, dass andere Menschen bei einer Kollision zu Tode kommen könnten.

Von hinten habe der Angeklagte einen Motorroller gerammt. Dessen Fahrer sei auf die Frontscheibe des Autos und dann meterweit durch die Luft geschleudert worden. Der damals 53-Jährige erlitt mehrere Frakturen. Er sei weiterhin arbeitsunfähig, so die Anklage.

Obwohl sich der Roller in die Front des Unfallwagens gebohrt hatte und festklemmte, soll der Angeklagte weiter Gas gegeben haben und in Richtung Brandenburg geflohen sein. Er wurde laut Anklage nach fünf Kilometern gestoppt.

Die Anklage lautet auf versuchten Mord, Körperverletzung, verbotene Kraftfahrzeugrennen, Gefährdung des Straßenverkehrs, Unfallflucht. Der 44-Jährige soll betrunken und unter völliger Missachtung der wesentlichen Verkehrsregeln gerast sein. Er sei unter Billigung einer tödlichen Verletzung eines reinen Zufallsopfers gefahren - «allein um seinen Frust und seine Unzufriedenheit abzuladen», heißt es in der Anklage.

Der Mann erklärte, es sei seine «erste Fahrt unter Alkohol» gewesen. Er habe sich in einem «emotionalen Ausnahmezustand» befunden. Hintergrund sei vor allem die Wohnsituation der Familie gewesen. Von Nachbarn seien erhebliche Ruhestörungen ausgegangen, so der gelernte Industriemechaniker. Für ihn sei immer wichtig gewesen, nicht übermüdet zur Arbeit zu gehen. Er sei deshalb nur noch am Wochenende zu Hause gewesen. Das habe zu Streit geführt. Er habe dann Alkohol getrunken, «um die Sorgen hinunterzuspülen».

Stark angetrunken habe er schließlich vier Fahrzeuge mit einer Machete beschädigt und sei dann losgefahren, so der Angeklagte. Er sei sehr über seine Tat erschüttert und frage sich jeden Tag, wie es dem Verletzten gehe. Der Prozess wird am 9. April fortgesetzt.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News