Mehr als 90 Prozent der Intensivbetten voll: Ampel fast Rot

04.11.2021 Wegen der rasant steigenden Zahl von Covid-Intensivpatienten scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Krankenhaus-Ampel der Staatsregierung auf «rot» schaltet. Verschärfte Hygiene- und Zutrittsregeln von Arbeitsplatz bis Restaurant sind absehbar.

Eine Mitarbeiterin der Pflege steht in einem Zimmer einer Corona-Intensivstation. Foto: Fabian Strauch/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Auf den Intensivstationen der bayerischen Krankenhäuser wird es wegen einer stark steigenden Zahl von Corona-Fällen schon Anfang November eng. Landesweit sind über 90 Prozent der Betten belegt, wie aus dem Intensivregister Divi hervorgeht. Die Krankenhaus-Ampel ist auf dem Weg zu Rot. Am Donnerstag waren bereits 522 Intensivbetten belegt, wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mitteilte. Bei 600 belegten Intensivbetten springt die Ampel auf Rot. Vor zwei Wochen hatte die Zahl der Corona-Intensivpatienten in Bayern nur etwa bei der Hälfte gelegen.

Landesweit waren demnach nur noch 112 «covid-spezifische Intensivbetten» frei - das sind Betten, die mit Beatmungsgeräten für die Schwerkranken ausgestattet sind.

Seit dem Nachmittag diskutieren die Gesundheitsminister von Bund und Ländern in Lindau am Bodensee über die Entwicklung. Ein Thema der Gespräche ist die mögliche Einführung einer Testpflicht in Pflegeheimen. Der Vorsitzende der Konferenz, Bayerns Ressortchef Klaus Holetschek (CSU), sprach sich für einen schnelleren und intensiveren Einsatz von Auffrischungsimpfungen aus. Außerdem sieht er die epidemische Notlage, die auf Bundesebene als gesetzliche Grundlage für Eindämmungsmaßnahmen abgeschafft werden soll, als gegeben an. «Ich glaube schon, dass wir jetzt - angesichts dieser Zahlen - mehr denn je tatsächlich in dieser Lage sind», sagte er vor Beginn der Konferenz.

Für die Bayerische Krankenhausgesellschaft ist die Lage in den Kliniken vor allem deshalb besorgniserregend, weil es zu schweren Verläufen der Erkrankung erst einige Zeit nach der Infektion kommt. Ein rascher Anstieg der Infektionszahlen erreicht die Intensivstationen daher nach einer in den Krankenhäusern üblichen Faustformel mit etwa zwei Wochen Verzögerung. Der Großteil der Intensivpatienten sind nach wie vor Ungeimpfte.

Laut Intensivregister meldet die Mehrheit der bayerischen Krankenhäuser bereits Einschränkungen des regulären Betriebs auf den Intensivstationen. Zusätzlich zu schaffen macht den Kliniken der Personalmangel. Da die Infektionszahlen schnell steigen, ist für die nächsten Wochen auch ein weiterer Anstieg der Intensivpatientenzahlen zu erwarten.

Bundesweiter Ansteckungs-Brennpunkt ist derzeit das südliche Oberbayern. Im Landkreis Miesbach stieg die 7-Tage-Inzidenz auf einen neuen deutschlandweiten Höchstwert von 715,7 Infektionen pro 100.000 Einwohner. Fünf bayerische Landkreise haben mittlerweile eine Inzidenz von 500 überschritten, der landesweite Schnitt liegt mit 234,8 weit über dem Bundesdurchschnitt von 154,5. Dementsprechend ist auch die Zahl der Corona-Todesopfer in Bayern sehr hoch: Das Robert Koch-Institut meldete 38 neue Todesfälle im Freistaat.

Als ein Grund der Entwicklung gilt in den Krankenhäusern die unterdurchschnittliche Impfquote in Bayern. Laut Impfdashboard des Bundes sind 66,5 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, das ist die niedrigste Quote in den alten Bundesländern. In Norddeutschland liegen die Quoten bei über 70, in Bremen über 80 Prozent. Dort ist auch die Lage in den Krankenhäusern derzeit weniger kritisch.

Die Staatsregierung hatte am Mittwoch wegen des raschen Anstiegs der Infektionszahlen eine Verschärfung der Hygienevorschriften beschlossen: Unter anderem müssen ab 8. November Schülerinnen und Schüler wieder Masken in den Schulgebäuden tragen.

Auch die Krankenhaus-Ampel wurde neu definiert. Springt sie auf Rot, soll unter anderem die 3G-Regel am Arbeitsplatz gelten. Zutritt zur eigenen Firma sollen dann nur noch geimpfte, genesene oder getestete Mitarbeiter haben. Für Freizeitveranstaltungen gilt dann weitgehend die 2G-Regel.

© dpa-infocom GmbH

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