Rekord-Inzidenz bei bayerischen Kindern und Jugendlichen

25.10.2021 Die Inzidenz in der Altersgruppe der Schulkinder in Bayern ist massiv gestiegen. Am Dienstag sollen nun Landräte aus bayerischen Corona-Hotspots ins Kabinett kommen.

Ein Corona-Schnelltest wird in einer Teststation aufbereitet. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Corona-Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen in Bayern sind so hoch wie nie zuvor. In der Altersgruppe sechs bis elf Jahre lag die Inzidenz vergangene Woche bayernweit bei 415, wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) am Montag mitteilte. Das ist ein Anstieg um 157 binnen Wochenfrist und der höchste Wert für eine Altersgruppe, den das LGL seit Beginn der Pandemie ermittelt hat.

Für die 12- bis 15-Jährigen meldet das LGL ebenfalls einen massiven Anstieg: Hier liegt die Inzidenz inzwischen bei 391. Bei den 16- bis 19-Jährigen sind es 324 Fälle pro Woche und 100 000 Einwohner. Der bisherige Inzidenz-Rekord für eine Altersgruppe stammte von Ende vergangenen Jahres und hatte in der Altersgruppe über 80 damals den Wert von 376 erreicht.

Das Kultusministerium schloss am Montag eine erneute Maskenpflicht am Platz in der Schule nicht aus. «Natürlich beobachten wir gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium die Infektionslage weiterhin sehr genau», teilte das Ministerium am Montag auf Anfrage mit. «Falls notwendig, sind auch weitergehende Maßnahmen zum Infektionsschutz – wie zum Beispiel eine Maskenpflicht auch am Platz unter bestimmten Voraussetzungen – nicht ausgeschlossen.» Schon jetzt könnten Gesundheitsämter vor Ort weitergehende Maßnahmen anordnen.

«Die hohen Inzidenzwerte erklären sich auch durch die hohe Testquote bei Schülerinnen und Schülern, die es in keinem anderen Bereich der Gesellschaft mit derselben Intensität gibt», erklärte das Kultusministerium. Zusammen mit dem Gesundheitsministerium betonte es die Bedeutung der Tests an allen Schularten.

Über alle Altersgruppen hinweg gibt das LGL die aktuelle Inzidenz in Bayern mit 181,3 an. Das Robert Koch-Institut meldete am Montag die etwas niedrigere Zahl von 179,1 - allerdings mit einem leicht abweichenden Stichzeitpunkt. Demnach ist die Inzidenz in Bayern die dritthöchste in Deutschland hinter Thüringen und Sachsen. Allerdings sind die fünf Landkreise mit den höchsten Werten in Bayern, allen voran Mühldorf am Inn mit 522,8.

Aus einem Teil dieser fünf besonders betroffenen Landkreise wurden am Montag auch Schulen als Treiber der Infektionszahlen genannt. So hieß es aus dem Landkreis Berchtesgadener Land, in Schulen und Kitas sei seit mehreren Wochen ein verstärktes Infektionsgeschehen zu beobachten. In Straubing-Bogen sieht man «ein diffuses Infektionsgeschehen mit Betonung auf Schulen und Kindertageseinrichtungen mit unmittelbar nachfolgender Ausbreitung auf die Familien der Infizierten».

Aus dem Landkreis Traunstein hieß es dagegen, dass vor allem Infektionen im privaten Bereich die Zahlen trieben. Auch in Mühldorf am Inn treiben laut Landratsamt vor allem Infektionsketten im familiären Umfeld die Zahlen.

Im Landkreis Miesbach sieht man den Beitrag der Schulen zu den Inzidenzzahlen vor allem darin, dass dort viel getestet werde. Schuld an den hohen Zahlen seien die allgemeinen Lockerungen: «Es ist ja quasi alles wieder erlaubt, daher kommen die Menschen einfach mehr "physisch" zusammen», heißt es aus dem dortigen Landratsamt.

Am Dienstag sollen Landräte und Oberbürgermeister aus besonders betroffenen Regionen an der Sitzung des bayerischen Kabinetts teilnehmen.

Parallel dazu steigt die Zahl der Corona-Intensivpatienten in Bayerns Krankenhäusern. Am Montag lagen laut Intensivregister 338 Covid-Patienten auf den bayerischen Intensivstationen, fast 70 mehr als Mitte vergangener Woche. Das ist zwar weit unter dem Höchststand von rund 900 Corona-Intensivpatienten zu Beginn des Jahres, aber im Vergleich zur Lage zu Beginn der Sommerferien nahezu eine Versiebenfachung.

Anders als im ersten Jahr der Pandemie halten die Krankenhäuser mittlerweile keine Intensivbetten mehr eigens für Corona-Patienten frei. Da die Auslastung der Intensivstationen auch in normalen Zeiten sehr hoch ist, genügt nun eine ungleich geringere Zahl von Covid-Patienten als vor einem Jahr, um die Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen zu bringen.

So gab es am Montag in 17 der insgesamt 96 Landkreise und kreisfreien Städte Bayerns kein einziges freies Intensivbett mehr. In rund 35 Kommunen - und damit mehr als einem Drittel - waren weniger als zehn Prozent der Intensivbetten frei. Ein Sprecher der bayerischen Krankenhausgesellschaft sagte, regional sei die Situation an einer zunehmenden Zahl von Kliniken angespannt. An ersten Häusern müssten geplante Operationen verschoben werden, sofern dies medizinisch vertretbar sei.

Mittlerweile ist für die Einleitung von Corona-Schutzmaßnahmen in Bayern nicht mehr die Inzidenz der wichtigste Wert. Dies ist vielmehr die Krankenhaus-Ampel, die laut dem bayerischen Gesundheitsministerium weiter auf Grün steht. Bei der Ampel wird ausgewertet, wie viele Covid-19-Patienten in die Krankenhäuser kommen oder sogar auf die Intensivstationen müssen. Diese Werte lagen zuletzt noch deutlich unter den Grenzen, ab denen Maßnahmen greifen.

© dpa-infocom GmbH

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