Freie Intensivbetten in vielen Kommunen Mangelware

20.10.2021 Auf Bayerns Intensivstationen liegen sehr viel weniger Corona-Patienten als im vergangenen Winter - aber vielerorts gibt es schon keine freien Intensivbetten mehr.

Geräte stehen und hängen in einem leeren Zimmer auf einer Corona-Intensivstation. Foto: Fabian Strauch/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In den Krankenhäusern von mehr als einem Dutzend bayerischer Kreise und Städte gibt es wegen wieder steigender Zahlen von Corona-Patienten keine freien Intensivbetten mehr. Voll belegt sind die Intensivstationen insbesondere in Teilen Oberbayerns und der fränkischen Regierungsbezirke, wie aus dem Divi-Intensivregister hervorgeht.

«Die Auslastung der Intensivbetten hat punktuell in einigen Gebieten die absolute Kapazitätsgrenze erreicht. Da müssen wir wachsam sein und die Krankenhäuser nach Kräften unterstützen», sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Mittwoch in München. Er plädierte zudem dafür, die sogenannte epidemische Lage nationaler Tragweite nicht wie von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgeschlagen demnächst auslaufen zu lassen.

Unter anderem die Stadt Rosenheim sowie die Kreise Freising, Erding und Aichach-Friedberg meldeten am Mittwoch kein einziges freies Intensivbett; im Norden Bayerns Stadt und Landkreis Aschaffenburg, die Stadt Erlangen und der Kreis Erlangen-Höchstadt, die Kreise Forchheim und Bayreuth sowie Stadt und Landkreis Landshut. Und im Südwesten des Freistaats hat im Landkreis Unterallgäu die Intensivmedizin ihre Behandlungsmöglichkeiten restlos ausgeschöpft.

Im bayernweiten Schnitt waren am Mittwoch elf Prozent der Intensivbetten frei. Die Corona-Ampel der Staatsregierung, die als Indikator für die Belastung der Kliniken dient, steht nach wie vor auf grün. Doch in mehreren Regionen Bayerns sind die Behandlungskapazitäten der Krankenhäuser in den vergangenen Wochen geschrumpft.

SPD und Grüne im Landtag forderten von der Staatsregierung deswegen Nachbesserungen an dem System. «Wie kann es sein, dass die Ampel noch auf grün steht», fragte die SPD-Gesundheitspolitikerin Ruth Waldmann.

Auf rot würde die Ampel von der Staatsregierung geschaltet, wenn die landesweite Zahl der Covid-Intensivpatienten auf 600 steigt, das wäre verbunden mit verschärften Einschränkungen des öffentlichen Lebens. «Fraglich bleibt auch, welche Maßnahmen oder Einschränkungen dann überhaupt ergriffen werden, wenn es zu einer Überlastung kommt», sagte Waldmann.

«Es wird immer deutlicher, dass die Schwellenwerte der Ampel mit der Realität nicht zusammenpassen», kritisierte die Grünen-Abgeordnete Christina Haubrich. «Wenn mehr Personal im Herbst und Winter krankheitsbedingt ausfällt, könnte dies den ohnehin ernsten Personalmangel verschärfen, mit dem die Kapazität der Krankenhäuser steht und fällt.»

Anders als in der ersten Phase der Corona-Pandemie halten die Kliniken mittlerweile keine Intensivbetten wegen der Pandemie mehr frei. Bayernweit lagen am Mittwoch in der Mittagszeit 270 Covid-Patienten auf den Intensivstationen. Das sind erheblich weniger als im vergangenen Winter, aber ein deutlicher Wiederanstieg seit dem Sommer. Der Großteil der Corona-Intensivpatienten ist nicht geimpft.

Auch die Zahl der Corona-Infektionen steigt weiter. Am Mittwoch meldeten laut Robert Koch-Institut zwölf Kreise und Städte in Bayern Inzidenzen von 200 und mehr. An der Spitze lag am Mittwochvormittag nach wie vor das Berchtesgadener Land mit 355,5 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Die bayernweite Inzidenz ist nun auf 128,6 geklettert. Am Freitag vergangener Woche hatte der Wert erstmals seit Mai wieder die Schwelle von 100 überschritten.

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