Praktiker und Minister einig: Zukunft der Pflege düster

29.09.2021 Mit drastischen Worten hat die Vereinigung der Pflegenden in Bayern die Zukunft der Pflege beschrieben - sofern sich nicht grundlegend etwas ändert. Auch Gesundheitsminister Holetschek mahnt dringend eine Reform an. Denn alleine mehr Geld dürfte nicht reichen.

Eine Pflegekraft geht mit einer Bewohnerin eines Seniorenheims durch einen Flur. Foto: Sina Schuldt/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In der Pflege muss etwas passieren - da sind sich die Vereinigung der Pflegenden in Bayern und Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) einig. «Wir laufen da sehenden Auges in eine Versorgungskatastrophe hinein», warnte Pflege-Experte Bernhard Krautz mit Blick auf eine am Mittwoch in München vorgelegte Studie seiner Organisation. Zugleich forderte Holetschek ebenfalls in München, dass die neue Bundesregierung schnell eine umfassende Pflegereform auf den Weg bringen müsse.

Deutschland laufe auf eine humanitäre Katastrophe zu, wenn jetzt nicht richtig und vor allem sehr rasch gehandelt werde. «Die Reform der Pflege muss eine der ersten Aufgaben der künftigen Bundesregierung werden - und sie muss endlich ein großer Wurf werden», sagte Holetschek der Deutschen Presse-Agentur. Die Pflege sei eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen - egal, welche Koalition in Berlin regieren werde. «Dazu müssen wir die Arbeits- und Verdienstbedingungen des Personals verbessern und den pflegenden Angehörigen ein Mehr an Zeit und Möglichkeiten anbieten.»

Mit Geld allein ist das Problem jedoch nicht zu lösen, ist die Vereinigung der Pflegenden überzeugt. «Die Versorgungsstrukturen und -kapazitäten, so wie wir sie jetzt im Moment kennen, sind keinesfalls aufrechtzuerhalten», betonte Krautz. «Wir werden das Gesundheitssystem umbauen müssen, ansonsten wird es früher oder später zum Kollaps kommen.»

Einem Gutachten des Ministeriums von Anfang März zufolge wird sich die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Bayern bis zum Jahr 2050 auf bis zu eine Million verdoppeln. Entsprechend erhöhe sich auch der Bedarf an Pflegepersonal: Gebraucht werden rein rechnerisch zusätzlich bis zu 157.000 Vollzeitkräfte.

So viele neue Mitarbeiter zu finden, ist nach Krautz' Einschätzung aber völlig illusorisch. «Die Versorgung muss grundlegend überdacht werden», forderte er deshalb. Und zwar kleinräumig: «Bayern ist extrem heterogen, was die Inanspruchnahme von Leistungen wie das Pflegegeld für Angehörige, ambulantem Pflegedienst oder stationärem Pflegeheim betrifft.» Dies gehe aus der erstmals erstellten Monitoring-Studie hervor, die Krautz als wissenschaftlicher Mitarbeiter mitbetreut hat.

Seine Schlussfolgerung: «Gesundheitsversorgung muss man wirklich regional betrachten und analysieren, wie die Bedarfe sind und die Bedürfnisse der Bevölkerung, und darauf das Versorgungsangebot und auch die Ausbildung in der Region abstimmen.» Letztlich führe aber kein Weg daran vorbei, mehr Menschen mit intelligenten Konzepten länger in ihrem Zuhause zu versorgen.

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