CSU größter Verlierer: Gewinne für Grüne und SPD

26.09.2021 Eins steht nach der 20. Bundestagswahl seit 1949 schnell fest: Am stärksten verloren hat die ehedem unbesiegbar scheinende CSU. Schlechter abgeschnitten hat die Partei nur einmal - beim allerersten Wahlgang 1949.

Das CSU-Logo steht auf einer Wiese. Foto: Stefan Puchner/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die CSU hat bei der Bundestagswahl in Bayern laut erster Hochrechnung das schlechteste Ergebnis seit über 70 Jahren eingefahren. Nach den Zahlen von Infratest dimap im Bayerischen Rundfunk landen die Christsozialen unter Parteichef Markus Söder bei 32,8 Prozent, im Vergleich zu 2017 wäre das ein Verlust von 6 Prozentpunkten. Die größten Stimmgewinne verzeichneten die Grünen, die mit 13,7 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis in Bayern erzielen, aber unter den eigenen Hoffnungen blieben.

Die SPD kommt laut Hochrechnung mit 16,5 Prozent in Bayern auf Platz zwei, ein Plus von 1,2 Prozent. Die FDP gewinnt mit 10,7 Prozent leicht hinzu, die AfD verliert laut Hochrechnung 1,5 Prozentpunkte und kommt auf 10,9 Prozent. Die Freien Wähler können demnach in Bayern mit 6,1 Prozent rechnen, die Linke bleibt mit 2,7 Prozent weit unter der Fünf-Prozent-Hürde.

CSU-Generalsekretär Markus Blume reagierte enttäuscht. «Was das CSU-Ergebnis betrifft, so sind das natürlich Zahlen, die können in absoluter Höhe nicht zufriedenstellen», sagte Blume im BR. Die CSU hatte bei den vorangegangenen 19 Bundestagswahlen nur ein einziges Mal schlechter abgeschnitten, beim allerersten Wahlgang 1949. Die CSU verlor zudem zum zweiten Mal in Folge stark: 2017 waren die Christsozialen mit einem Ergebnis von 38,8 Prozent um über 10 Prozentpunkte abgerutscht. Blume betonte gleichzeitig, dass manche Umfrage «eines Besseren belehrt» worden sei und ein Linksrutsch in Deutschland «in diesem Ausmaß» nicht stattgefunden habe.

SPD-Landeschef Florian von Brunn beanspruchte nach den bundesweiten Prognosen das Recht zur Regierungsbildung für die Sozialdemokraten: «Ich würde sagen, das ist ein Auftrag an Olaf Scholz, die nächste Regierung zu bilden in Deutschland», sagte er in einer ersten Reaktion kurz nach 18.00 Uhr im BR-Fernsehen. Bundesweit lagen SPD und Union nach den ersten Prognosen Kopf an Kopf.

Enttäuscht sind trotz ihres guten Abschneidens auch die Grünen. «Wir hätten uns mehr erhofft», sagte Bundestags-Fraktionschef Anton Hofreiter. Enttäuschung auch bei der rechtspopulistischen AfD, die auf 15 Prozent gehofft hatte und stattdessen Stimmen verlor.

Die CSU muss außerdem erstmals seit Jahren den Verlust von Direktmandaten fürchten: Insbesondere in München und Nürnberg machen sich SPD und Grüne Hoffnungen, der CSU einen oder mehrere der insgesamt 46 Wahlkreise im Freistaat abzujagen. Zum letzten Mal hatte die CSU bei der Bundestagswahl 2005 nicht alle Direktmandate in Bayern holen können - damals war der Wahlkreis München-Nord an die SPD gegangen.

Die SPD war 2017 in Bayern auf 15,3 Prozent gekommen. Die Grünen holten 9,8 Prozent, die FDP erreichte 10,2 Prozent, die AfD 12,4 Prozent, die Linke 6,1 Prozent, und die Freien Wähler kamen auf 2,7 Prozent.

Im Freistaat waren rund 9,4 Millionen Bürger zur Wahl des 20. Deutschen Bundestages aufgerufen. Viele von ihnen hatten ihre Stimme auch schon vorab per Briefwahl abgegeben - laut BR-Zahlen zeichnete sich ein Briefwahl-Anteil von rund 62 Prozent ab.

In Bayern traten laut Landeswahlleiter 967 Kandidatinnen und Kandidaten auf 26 Landeslisten und als Wahlkreiskandidaten an.

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